Zustände wie zu Zeiten der Dot Com Blase

Während die Wirtschaft massiv einbricht, tausende kleine und mittlere Unternehmen wahrscheinlich nicht überleben und die Schere zwischen arm und reich immer weiter aufgeht, steigen Aktien und Immobilien nahezu exponentiell, und dies in einem weitaus größeren Ausmaß wie zur Dot Com Blase 2000. Warum?

Wer wie wir seit vielen Jahren die Kapitalmärkte beobachtet, sieht sich derzeit in die Dot Com Blase um die Jahrtausendwende zurückversetzt. Auch dort wurde Blei plötzlich zu Gold, um dann wieder zu Blei zu werden.

 

Dennoch gibt es in der Tat erhebliche Unterschiede. Anders als bei der Dot Com Blase sind die Volkswirtschaften derzeit massiv geschädigt, während Geld plötzlich keine Rolle mehr spielt. Die Zentralbanken drucken es im Überfluß und verteilen es mit Null- und Negativzinsen an jeden, der noch nicht genug davon hat. Die Frage ist also: Lassen sich Krisen zukünftig einfach durch das unbegrenzte Drucken mit Zentralbankgeld einfach ertränken?

 

Die Qualität von Vermögenswerten ist nebensächlich, wenn das Vertrauen in die Währung schwindet.

Während bereits seit 2018 die Wirtschaft mehr und mehr einbrach, entwickelten sich die Aktienkurse in unglaublichen Höhen und führen heute zu Marktbewertungen, die jenseits jeglicher wirtschaftlicher Sinnhaftigkeit stehen. Man kann den Eindruck haben, als würden Fundamentaldaten wie unternehmerische Kennzahlen, Verschuldungsquoten, Gewinnerwartungen und Cash Quoten keine Rolle mehr spielen. In seit der Dot Com Blase in nicht mehr dagewesener Form investiert auch eine Masse von völlig unerfahrenen Privatleuten, Schülern, Studenten, Arbeitslosen in Aktien in der Erwartung, dass es nur eine Richtung gibt – nach oben. In den USA erleben Apps wie Robinhood etc. einen nie dagewesenen Zulauf, gleiches gilt für die Eröffnung von Depotkonten bei Brokern.

 

Hierfür gibt es jedoch durchaus triftige Gründe: Einerseits ist es die Alternativlosigkeit vieler Anleger, überhaupt noch ein paar Euros mit Kapitalanlagen zu verdienen. Andererseits die Zentralbanken, die alles versuchen, Gefahren an den Finanzmärkten und Volkswirtschaften mit immer mehr frisch gedrucktem Geld und Negativzinsen zu ertränken. Dann natürlich die Gier vieler Anleger, die glauben, an der Börse derzeit reich werden zu können. Und last but not least ein immer mehr abnehmendes Vertrauen in Geld als werthaltigen Vermögensbaustein.

Das neue Allerheilmittel: Stimulus

Professionelle und institutionelle Anleger lassen sich neben Privatanlegern von der Gier und Hoffnung leiten und kaufen derzeit auf Teufel komm raus. Wetten mit Hebelprodukten wie Optionen nehmen dabei dramatisch. Selbst die Zentralbanken werden neben Gelddruckmaschinen zu Aktienkäufern in ungeahnten Höhen. Gleichzeitig steigt die Verschuldung vieler Unternehmen aufgrund günstiger und vor allen Dingen extrem lockerer Kreditvergabebedingungen in beängstigendem Masse.

 

Man spricht heute davon, dass bereits etwa 25 Prozent aller Unternehmen ihre Kreditverbindlichkeiten nicht mehr bedienen können, dennoch derzeit nicht pleitegehen, weil sie sich am Kapitalmarkt weiter günstig und problemlos refinanzieren können. Hierzu wurde der Fachausdruck „Zombieunternehmen“ kreiert.

 

Doch über all dem schwebt derzeit das „Allheilmittel"“ mit dem Wort Stimulus, also das immer weiter gehende Gelddrucken der Zentralbanken. Und in der Tat stiegen seit 2015 jedes Mal nur dann die Kurse, wenn die Zentralbank neue Stimuli ankündigte. Sonst nicht.

 

Die alles entscheidende Frage in den nächsten Monaten wird also sein: Ist Stimulus in der Tat ein unbegrenzt und in alle Ewigkeit wirkendes Allheilmittel, oder ist es nicht doch eine gefährliche Droge, die mit immer höheren Dosen verabreicht werden muss, bis der Konsument letztlich an einer Überdosis zugrunde geht. Wir werden das bald sehen.

Blasen über Blasen, wohin man sieht.

Wir können uns noch gut an die Stimmung vor der Dot Com Blase (2000) und auch vor der Finanzkrise 2008 erinnern. Die Euphorie war die Gleiche, alle waren fest davon überzeugt, dass es nur eine Richtung geben kann, und zwar nach oben und dies für immer. Jeder behauptete, dass ein Vergleich mit früheren Krisen nicht möglich wäre, denn die Marktsituation "wäre heute ja ein ganz andere und überhaupt nicht zu vergleichen". Und so bauten sich Blasen über Blasen auf, in die munter immer weiter Geld geblasen wurde. Diejenigen, die sich nicht von der Gier anstecken ließen und Geld wie gewohnt vorsichtiger oder gar nicht investierten, wurden als schlechte, erfolglose Investoren diskreditiert. Bis die Blasen platzten.

 

Deshalb unsere Empfehlung an alle Anleger: Hochmut kommt vor dem Fall. Das war schon immer so und wird sich auch nicht ändern. Und je höher der Hochmut, desto tiefer der Fall. Wir rechnen auch dieses Mal mit einer deutlichen Korrektur an den Finanzmärkten. Diese könnte sich jedoch in der Tat anders darstellen als in der Vergangenheit, da davon auszugehen ist, dass bei einer solchen Gefahr zunächst die Zentralbanken ihre Anleihenkäufe sofort noch mehr ausweiten würden, um einen Total-Crash zu vermeiden. Die alles entscheidende Frage wird unserer Meinung nach also sein, wieviel dieses „noch mehr“ eigentlich sein kann.

Einen großen Unterschied zu früheren Crashs gibt es dieses Mal wirklich:

Der große Unterschied zu früheren Crashs ist das magische Wort "Stimulus" in Verbindung mit Null-/Negativzinsen. In den vorangegangenen Finanzkrisen waren die Zentralbanken noch weitestgehend von ökonomischer Vernunft und Vorsicht getrieben. Dies hat sich jedoch komplett geändert. Zentralbanken handeln heute in einer Art und Weise, die selbst Laien immer nervöser macht.

 

So versuchen die Zentralbanken mit exzessivem Anwerfen der Druckerpressen Geld in einem noch nie dagewesenen Ausmaß zu drucken in der Hoffnung, dadurch die Krise zu ertränken. Exzessiv anwachsende Staatsschulden werden zwischenzeitlich nahezu zu 100% von den Zentralbanken finanziert, die Zentralbanken übernehmen damit nahezu vollständig die direkte Staatsfinanzierung, auch wenn sie es nicht zugeben. Gleichzeitig wurden Zinsen in den Negativbereich gedrückt und angekündigt, sie dort in den nächsten (vielen) Jahren auch nicht mehr herauszuheben.

 

Im Klartext bedeutet dies: Geld spielt keine Rolle mehr und ist unbegrenzt vorhanden, weil es durch die Zentralbank unbegrenzt gedruckt werden kann. Gleichzeitig ist Geld nichts mehr wert, weil es keinerlei Zinsen mehr bringt. Ganz im Gegenteil, Geld kostet sogar, wenn man zu viel davon hat und versucht, es auf die Seite zu legen. Deshalb ist die drastische Erhöhung der Preise für Vermögensanlagen wie Immobilien und Aktien einerseits auch die Konsequenz  von fehlenden Anlagemöglichkeiten. Andererseits scheint es Wertpapieranlegern und Immobilienkäufern wesentlich lieber (oder sicherer) zu sein, Ihr Geld in völlig überteuerte, riskante Anlagen zu investieren, anstatt das Geld direkt zu halten. Es kann also durchaus sein, dass das Vertrauen zu Geld als „unbegrenzte, kostenlose Ware“ bereits angefangen hat zu schwinden.

 

Wir gehen durchaus davon aus, dass die Euphorie der steigenden Kurse noch anhalten wird, solange die Welt im Pandemiemodus ist und von den Hoffnungen auf die „glänzende Zeit danach“ getrieben wird.

 

Doch sobald in der breiten Öffentlichkeit geimpft wird, werden auch die Börsen vom „Pandemie- und Stimulus-Modus“ auf den „Realitätsmodus“ umschalten und sich mehr und mehr darüber Sorgen machen, ob die Party nicht doch zu exzessiv war und ob das gesamte Finanzsystem nicht doch bereits an Grenzen gestoßen ist, die politisch und ökonomisch nicht mehr zu steuern sind. Dann droht ein Dominoeffekt.

Nie war es günstiger, sich zu verschulden.

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