Wie sicher der Euro eigentlich noch ist

Kennen Sie das Märchen "Des Kaisers neue Kleider"?. Wir empfehlen Ihnen, dieses Buch unbedingt in Ihre Pflichtlektüre mit aufzunehmen, wenn Sie mehr über den Wert des Geldes heutzutage wissen möchten.

Gebt mir die Kontrolle über die Währung einer Nation, und es ist mir gleichgültig, wer die Gesetze macht!

Amschel Meyer Rothschild

Wieviel neue Euros kann die EZB noch drucken?

Die Bilanzsumme der EZB - die sich, ähnlich der Fed, zu einer Sondermülldeponie des Finanzsystems wandelt - ist von rund 4,6 Billionen Ende 2019 auf inzwischen knapp 7 Billionen Euro explodiert.

 

Vor gut 15 Jahren, kurz vor dem Zusammenbruch der Immobilien- und Schuldenblasen in Europa, lag die Bilanzsumme der Europäischen Zentralbank noch knapp unterhalb der Billionen-Marke. Sollte die EZB wie erwartet weiter in exponentieller Art und Weise versuchen, die EU mit frischem Geld zu „stimulieren“ werden wir in nicht allzu langer Zeit die 10 Billionen Grenze erreichen.

 

Wieviel Geld die EZB noch drucken kann, ist in der Tat eine interessante Frage. Manche sagen unbegrenzt, andere wiederum sagen, dass das Maß längst erreicht ist. Denn neben der eigentlichen Geldmenge spielt in erster Linie die Geldumlaufgeschwindigkeit eine Rolle. Wenn sich diese nicht verändert, wird das zusätzlich gedruckte Geld nicht wie gewünscht über Kredite in den Umlauf kommen, keinen gewünschten Konsum erzeugen und dann auch keine inflationären Auswirkungen haben. Sollte sich dies jedoch ändern, zum Beispiel weil die Verbraucher zuversichtlicher werden oder auch, weil Pleiten die Anbieterstruktur von Gütern verändern und sich dadurch die Umlaufgeschwindigkeit ändern, stehen wir vor einer erheblichen Inflation und Geldentwertung.

 

Völlig unbekanntes Terrain wurde jedoch durch die Notenbanken mit der Zinsentwicklung betreten. Denn Nullzinsen bzw. Negativzinsen gab es in den letzten 3000 Jahren Menschheitsgeschichte noch nie.

Welchen Wert hat Geld derzeit noch?

Wenn wir über den Wert des Geldes heute nachdenken, dann führt die Verbindung Null-/Negativzins und permanente Geldvermehrung durch Drucken der Zentralbank zu folgender Aussage:

 

Grundsätzlich ist Geld nichts mehr wert. Es hat seinen Ertragswert (den Zins) schon längst verloren, das heisst es kann kostenlos geliehen werden, bzw. weckt bei Negativzinsen sogar den Anschein, als wolle es eigentlich keiner mehr so wirklich haben. Ferner ist Geld kein knappes Gut mehr und kann durch die Zentralbank je nach Bedarf unbegrenzt neu gedruckt werden.

 

Aber dennoch – solange die Verbraucher noch Vertrauen in den Euro als Tauschwert gegenüber Gütern und Dienstleistungen haben, wird dieses Geld seinen Zweck noch erfüllen.

Dank der EZB: Griechenland zahlt nunmehr für Schulden weniger Zinsen als die USA

Wie weit der Wert des Euros sich zwischenzeitlich durch die Manipulation der EZB von der Realität entfernt hat, zeigt ein einfaches Beispiel: Eine der wirtschaftlich schwächsten Länder der EU mit einer der höchsten Verschuldungen weltweit zahlt für seine Neuverschuldung zwischenzeitlich weniger Zinsen als die größte Volkswirtschaft mit der weitaus wichtigsten Währung der Welt, die USA.

 

Dieses Land ist Griechenland.

 

Erinnern Sie sich noch? Noch vor einigen Jahren war Griechenland Auslöser der Euro-Krise, keiner wollte Griechenland auch nur mehr einen Cent leihen. Seitdem hat sich die griechische Wirtschaft in dramatischem Umfang verschlechtert, ist geschrumpft, hat mehr Arbeitslose und viel mehr Armut als jemals zuvor. Auch wird Griechenland in den nächsten 100 Jahren nicht in der Lage sein, auch nur einen Bruchteil seiner Schulden zu bedienen, sondern wird Schulden durch die Aufnahme von neuen Schulden bedienen. Das spielt Dank der EZB jedoch alles keine Rolle mehr.

 

Sie brauchen kein Finanzexperte sein, um zu erkennen, dass diese Manipulation des Euro nicht allzulange gutgehen kann. Und dann spielen auch irgendwelche guten Nachrichten oder Wirtschaftsprognosen aus Deutschland keine Rolle mehr.

Schwindet das Vertrauen in eine Währung, ist deren Absturz nur eine Frage der Zeit.

Man sollte den Euro pragmatisch stets auch unter dem Gesichtspunkt betrachten, dass er gerade einmal 20 Jahre alt ist und seitdem nie zur Ruhe gekommen ist (US-Immobilienkrise, Bankenkrise, Griechenlandkrise, Schuldenkrise, nun Corona Krise usw.). Der Anteil des Euro an den weltweiten Devisenreserven liegt immer noch nur bei rund 20 %., auf den US-Dollar entfallen nach wie vor über 60 %.

 

Sämtliche Rohstoffe, Öl, Gas und Edelmetalle werden in US-Dollar abgerechnet. Die Bedeutung des Euros außerhalb der Eurozone hat sich nicht eklatant erhöht und wird dies wohl in der Zukunft auch nicht. Nach wie vor dominiert der US-Dollar.

 

Dass das Vertrauen in den Euro bereits schwindet, zeigt die verzweifelte Suche vieler Anleger nach Alternativen.

 

Der immense Anstieg der Preise von Vermögenswerten deutet darauf hin, dass Verbraucher lieber „inflationssichere“ Geldanlagen auch zu extrem hohen Preisen akzeptieren, anstatt ihr Geld auf Konten zu belassen. Zugleich wächst die Angst vorlatent drohender Bargeldbeschränkungen und gleichzeitig die immer lauter werdenden Anpreisungen eines digitalen Euros, der bis in den letzten Cent überall und jederzeit verfolgt werden kann.

Die Inflation der Vermögensanlagen als Warnsignal deuten lernen.

Vermögensanlagen wie Aktien und Immobilien steigen seit mehreren Jahren nahezu ungebremst und trotzen jeglichen ökonomischen Vernunftsregeln der Vergangenheit.

 

Der den Vermögenwerten entgegenstehende Wert ist Geld, welches zum einen scheinbar immer weiter gedruckt und dadurch unbegrenzt vermehrt werden kann, zum anderen keinerlei Zinsen mehr bringt und somit für Geldbesitzer wertlos geworden ist, solange sie es nicht in etwas „Werthaltigeres“ umtauschen.

 

Es sollte also nicht verwundern, warum besonders Menschen mit Geld dazu übergehen, ein scheinbar unbegrenzt vorhandenes, aus Ertragssicht wertloses Gut in ein begrenztes, knappes Gut umzutauschen. Denn schwindet der Wert des Geldes (Inflation), bleibt der Wert einer Sachanlage oder eines Edelmetalls zumindest zum Großteil erhalten. Aktien, Immobilien, Edelmetalle und Rohstoffe können schlicht und einfach gesagt nicht unbegrenzt gedruckt werden. Gleiches gilt für die derzeitige Entwicklung bei Kryptowährungen wie Bitcoin etc. Auch hier handelt es sich um ein begrenztes Gut.

Unserer Meinung nach wird die deutliche inflationäre Tendenz bei Vermögensanlagen weiter anhalten und mit großer Wahrscheinlichkeit noch zunehmen. Die Volatilität wird jedoch stärker, je höher der Wert ist. Wir erwarten mittelfristig keinen Rückgang bei Vermögenswerten.

 

Wenn man bedenkt, dass der Finanzmarkt heute bereits ca. 5x größer ist als der Realmarkt, kann man sich vorstellen, wie sehr sich Geld von seiner ursprünglichen Bedeutung als Tauschmittel für Güter und Dienstleistungen abgekoppelt hat und heute im Grunde genommen nur noch eine gewaltige Luft- und Spekulationsnummer ist. Wenn man ferner bedenkt, dass nahezu alle Akteure in diesem Finanzmarkt unter allen Umständen Profite machen möchten, was jedoch aufgrund Negativzinsen und der massiven Anleihenkäufe durch die Zentralbanken Tag für Tag schwieriger wird, kann man sich gut vorstellen, dass die Risikobereitschaft immer größer werden muss.

 

 

Wer wissen möchte, wann der Einsturz dieses Gebildes droht, sollte das Märchen von Hans Christian Andersen „Des Kaisers neue Kleider“ lesen. Unserer Meinung nach sollte dieses Märchen schon längst Pflichtlektüre in jedem ökonomischen Studium sein und die klassische Lehrliteratur ersetzen. Denn dort steht:

 

"Bei einem öffentlichen Festmarsch stellte der Kaiser seine neuen Kleider das erste Mal öffentlich zur Schau. Die Kammerherren taten so, als trügen sie die unsichtbare Schleppe und niemand aus dem Volke wagte es, sich anmerken zu lassen, dass er keine Kleider sah. Alle jubelten dem Kaiser zu und bewunderten seine neuen Kleider. Bis ein kleines Kind sagte: «Aber er hat ja gar nichts an!» Diese Aussage verbreitete sich in der Menge, bis schliesslich das ganze Volk den Ausruf des Kindes wiederholte."

 

Unserer Meinung nach wird sich die Spirale „immer höhere Risiken“ zu „immer höheren Preisen“ noch ein wenig weiter nach oben drehen. Dabei werden vor allen Dingen die Notenbanken mit frisch gedrucktem Geld weiter Brennstoff für die Party liefern. Gleichzeitig wird seitens der Kapitalmärkte eine gewisse Zeit noch eine Zukunft vorausgesehen, die seinesgleichen sucht, um diese Extremwerte noch einigermaßen zu vertreten. Bis irgendwann jemand sagt, dass das alles völlig überzogen ist und mit der Realität nichts mehr zu tun hat. Wenn sich diese Aussage dann verbreitet, können wir einen kolossalen Crash erwarten.

Gibt es einen wohl durchdachten Plan der Politik?

Wir sehen keinen. So wie es scheint, versucht sich die Politik im Augenblick als Krisenbewältiger, ohne jedoch die Krise zu bewältigen. Was danach folgt, ist sehr fraglich. Denn die Politik müsste von nun an äußerst unangenehme Entscheidungen treffen, um den Auswirkungen der Krise versuchen entgegenzuwirken. Doch das kostet entweder Wählerstimmen und führt zu Protesten, oder verursacht Drohungen der Industrie und Interessenverbände nach weiterem Arbeitsplatzabbau und Standortverlagerungen.

 

Unserer Meinung wird die Politik versuchen, den Konsum unter allen Umständen wieder anzukurbeln, damit die braven Bürger bei der Stange bleiben und sich nicht verstärkt „radikalem“ Gedankengut zuwenden. Die staatlich finanzierten Medien werden mehr und mehr Mantras aussenden, dass alles im Griff sei und es in kurzer Zeit besser werden würde als je zuvor. Doch um den Konsum anzukurbeln, müsste zuerst die Geldumlaufgeschwindigkeit steigen. Anders ausgedrückt heisst dies, dass Bürger nur dann mehr konsumieren, wenn das Vertrauen in die Zukunft stark wächst. Es ist eine interessante Frage, wie dieses Vertrauen aufgebaut werden soll.

 

Wir empfehlen weiterhin ein wenig zurück zu blicken und sich vor Augen zu halten, wie sich das politische und gesellschaftliche Geschehen eigentlich in den letzten 10-15 Jahren verändert hat: Unserer Meinung nach fand immer mehr eine abstrakte Abkoppelung des politischen Geschehens, weg von flexibler Bürgernähe und hin zu innerpolitischen Machtspielchen und Selbsterhaltung statt. Man hört sich gerne selbst reden, ohne jedoch wirklich etwas Wichtiges zu sagen. Sollten Bürger andere Meinungen haben, werden diese gerne als „Rechtsradikal, Antifa oder Verschwörungstheoretiker“ diskreditiert und müssen unter allen Umständen überwacht werden. Fährt ein Moslem ein Straßenschild mit seinem Auto um, kann dies bereits auf einen drohenden Terroranschlag hindeuten, die Terrorwarnstufe sollte dann sofort auf Hellrot erhöht werden und weitere Sicherheits- und Überwachungsgesetze sind sofort notwendig.

 

Parteien und einzelne Parteiprogramme sind undurchsichtig und schwammig wie dichter Nebel geworden. Um an der Macht zu bleiben, werden große Koalitionen gegründet, so dass es für den Bürger keine Rolle mehr spielt, wen er wählt, solange er nicht „Protestwähler“ (auch ein Begriff ähnlich rechtsradikal, Antifa oder Verschwörungstheoretiker) ist. Die Demokratie wird dadurch mehr und mehr ausgehöhlt, der Staat mischt sich immer mehr in Wirtschaftsprozesse und gesellschaftliche Themen ein, während immer mehr Bürger auf staatliche Leistungen angewiesen sind, um einigermaßen zu überleben. Und über allen Themen steht eine Zentralbank, die es mit Null- oder Negativzinsen und massiver Schaffung von zusätzlichem Geld zulässt, dass mit Schulden alles finanziert werden kann, ob nun sinnvoll oder nicht.

Wie lange das Gutgehen wird, ist fraglich. Auch lohnt sich hierzu stets der Blick in andere Länder.

 

Denn speziell im europäischen Ausland hat sich die EZB zum Retter in der Not emporgehoben. Die EZB wird nach der Krise damit beschäftigt sein, sich der Problematik einer erheblichen Bankenkrise speziell in Südeuropa und den sogenannten NPL (non performing loans, in Europa sind das mindestens 1,5 Billionen Euro) zu stellen. Wir gehen davon aus, dass weitere Verstaatlichungen folgen und weitere Bad Banks gegründet werden (müssen). Wir gehen auch davon aus, dass das Gelddrucken munter immer weiter gehen wird, während die Zinsen im Negativbereich verharren.

 

Da nach dem Austritt Großbritanniens aus der EU die Einflußnahme der europäischen Südländer stark anwächst, wird der Süden Europas noch mehr mit frisch gedrucktem Geld überschwemmt und dieses natürlich gerne annehmen.

 

Die EZB wird unter allen Umständen versuchen, das Vertrauen der Bürger in den Euro aufrecht zu erhalten.

Wir warnen jedoch strikt davor, dieses exzessive Gelddrucken und Schuldenmachen bei gleichzeitigen Negativzinsen als „neue Normalität“ zu sehen, die „schon irgendwie“ langfristig gutgehen wird. Wie schon gesagt: Unserer Meinung nach kommt die eigentliche Krise nach der Corona Pandemie.

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