Die eigentliche Krise kommt nach der Krise

Alle Anzeichen verdichten sich, dass die eigentliche Krise dann beginnen wird, wenn Corona durch einen wirksamen Impfstoff wirksam bekämpft worden ist, also ab 2021. Spätestens dann, wenn von Krisenmodus auf Realiätsmodus geschaltet wird, beginnt das große Zittern.

Das Jahr 2020 hat viele klein- und mittelständische Unternehmen in verschiedensten Branchen an den Rand ihrer finanziellen Kraft gebracht. Ebenso sind viele Privathaushalte deutlich ärmer geworden und müssen sich zudem der Frage stellen, wie sicher ihre Arbeitsplätze in der Zukunft sein werden. Auf der anderen Seite hat die deutliche Inflation bei Vermögenswerten wie Aktien und Immobilien einige wenige noch reicher gemacht.

 

Wir gehen jedoch davon aus, dass dies erst der Anfang war und die eigentliche Krise noch vor uns steht - und zwar dann, wenn Corona durch einen wirksamen Impfstoff wirksam bekämpft wird, also ca. ab dem 1. Halbjahr 2021.

Das böse Erwachen kommt nach der Pandemie

Bislang sind die Politik, die EZB und die Zentralbanken in Europa auf Krisenmodus geschaltet. Doch dies ändert sich, wenn die Pandemie vorüber oder zumindest weitläufig beherrschbar ist. Denn dann werden die Auswirkungen der exzessiven Geldpolitik, die nicht mehr zu verändernde Null- bzw. Negativzinspolitik, die immer geringer werdende Ertragskraft der Banken und die immer größer werdende Verschuldung im privaten und öffentlichen Sektor mehr und mehr zutage treten und letztlich die Frage aufwerfen, welche Tragfähigkeit ein solches Szenario für die Zukunft hat.

 

Denn selbst ein wirtschaftliches Comeback wird das exzessive Gelddrucken und Schuldenmachen nicht stoppen oder abschwächen können. Ganz im Gegenteil: Die Party wird weitergehen müssen, da Finanzmärkte, Unternehmen und die Fiskalpolitik mehr und mehr Stimulus fordern wird, ähnlich einer Droge, von der immer mehr benötigt wird. Man sollte auch nicht vergessen, wann die Geldausweitung durch die EZB begann - dies war bereits 2015, und hatte mit der Pandemie rein gar nichts zu tun.

Wir erwarten ferner eine deutliche Verschärfung von Sicherheits- und Überwachungsgesetzen zum Schutz der staatlichen Macht, eine fortschreitende Entdemokratisierung in vielen Ländern (insbesondere auch in der EU) sowie die deutliche Zunahme von öffentliche Mitteilungen, die den Bürgern politische Erfolge vorgaukeln sollen, die jedoch schlicht und einfach nicht vorhanden sind (zum Beispiel auch Arbeitslosenzahlen, die durch statistische Anpassungen in keiner Weise die tatsächliche Arbeitslosigkeit mehr widerspiegeln).

Volkswirtschaftlich erwarten wir derzeit noch eine weitere fortschreitende deutliche Inflation bei Vermögenswerten wie zum Beispiel Immobilien und Aktien, allerdings auch begleitet von immer größer werdenden Ausschlägen bei der Volatilität.  Nach wie vor erwarten wir deflationäre Tendenzen bei Konsumgütern, die jedoch mit immer weiterer Geldmengenausweitung der Zentralbanken versucht wird zu bekämpfen. Ob dies gelingen wird, hängt ganz davon ab, wann bzw. ob die Bürger wieder Vertrauen in die Sicherheit ihrer Arbeitsplätze und die Steigerung von Einkommen fassen.

 

Sicher sind wir uns jedoch, dass die Schere zwischen arm und reich noch weiter aufgehen wird und immer mehr Bürger darauf angewiesen sein werden, zusätzlich zu einem geringen Einkommen mit staatlichen Hilfen aufzustocken.

Unserer Meinung werden die kommenden Jahre besonders in Europa von überwiegender Stagnation geprägt sein. Und in der Tat – Europa hat bereits seit vielen Jahren keine führende Rolle mehr in nahezu allen neuen Technologien, der Abstand zu Asien und auch zur USA vergrößert sich weiter Tag für Tag und ist unserer Meinung nach auch nicht mehr einzuholen. Europa wird sich aus unserr Sicht mehr und mehr zum Verwaltungskoloss mit altender Bevölkerung entwicklen, und zwar nicht erst in 50 Jahren, sondern bereits in den nächsten 5-10 Jahren.

 

Die politischen Entscheidungen der einzelnen Länder in der EU werden mehr und mehr an Bedeutung verlieren, zugunsten einer immer stärkeren Macht der Zentralbank, die letztlich über das Wohl und den Untergang von allen Volkswirtschaften in der Eurozone entscheidet. Selbstverständlich werden die jeweiligen Landespolitiker das nicht zugeben, denn diese wollen ja gutbezahlt an der Macht bleiben und werden versuchen, mit immer großzügigeren Wahlversprechen ihre Wiederwahl zu stützen. Wir gehen sogar davon aus, dass Themen wie das bedingungslose Grundeinkommen immer relevanter werden, je mehr Bürger aufgrund ihres Alters aus dem Arbeitsprozess ausscheiden. Gleichzeitig wird es besonders für die Masse junge Menschen, die nicht über eine ausgezeichnete Qualifikation verfügen, immer schwieriger, sichere und einigermassen gut bezahlte Jobs zu erhalten.

 

Wirklich entscheidend wird aus unserer Sicht die Aktivität der EZB sein. Diese wird versuchen, den Euro unter allen Umständen am Leben zu erhalten. Wir werden immer mehr Mantras darüber hören, wie sicher der Euro ist, damit ja kein Vertrauensverlust entsteht, was einem kompletten Zusammenbruch der europäischen Union gleichkommen würde.

 

Unserer Meinung nach wird auch alles unternommen werden, damit nach Großbritannien ja kein weiteres Land mehr aus der Europäischen Union austritt. Insofern spielt auch die Verschuldung einzelner Länder keine Rolle mehr und ist lediglich eine politische Farce. Jeder wird zukünftig für jeden haften, ob er will oder nicht.

Veränderung der Machtverhältnisse in Europa nach dem Brexit

Mit dem Austritt Großbritanniens aus der EU ändern sich auch die Machtverhältnisse zwischen Nord- und Südeuropa. So wird der südeuropäische Einfluss auf Europa deutlich zunehmen, die finanziellen Risiken dieser Länder werden somit mehr und mehr die nordeuropäischen Länder tangieren. Wir glauben, dass die Transferunion in jedem Fall kommen wird, es wird kein Weg daran vorbeiführen, wenn man nicht will, dass Länder wie Italien, Spanien, Portugal oder Griechenland aus der EU ausscheiden, was aus unserer Sicht das Ende des Euro wäre.

 

Bereits die Eurokrise 2014 zeigte deutlich auf, dass der Euro für manche Länder viel zu teuer, für andere Länder jedoch viel zu billig ist. Im Falle von Italien oder Spanien beispielsweise führt der dort viel zu teure Euro zu extremen Problemen in der Gesellschaft. Haben sich dort die Löhne zu deutlich erhöht, hat gleichzeitig die Produktivität der Unternehmen nicht Schritt halten können und die internationale Wettbewerbsfähigkeit immer mehr vermindert. Dadurch entstand eine strukturell hohe Arbeitslosigkeit, geringe Chancen für junge Menschen, Karriere zu machen, eine hohe Zunahme der Staatsverschuldung und eine gefährlich hohe Anfälligkeit der ohnehin schwachen Wirtschaft bei Krisen, die sich permanent weiter verstärkt.

 

Eine Auf- oder Abwertung des Euro in der Eurozone ist nicht möglich, Euro bleibt Euro, ob in Italien oder Griechenland. Ein Absenken der Löhne in den betroffenen Ländern ist ebenfalls nicht möglich, ebenso wenig wie eine deutliche Verbesserung der Produktivität. Und selbst ein Ausscheiden aus dem Euro ist nicht möglich, da dies das Ende des Euros oder der EU bedeuten könnte. Was bleibt, ist der Biss in den sauren Apfel: Die Transferunion, so wie wir sie aus Deutschland kennen. Bayern und Baden-Württemberg werden zukünftig also neben Berlin, Bremen, Sachsen-Anhalt und weiteren Bundesländern auch ca. 140 Millionen Bürger in Italien, Spanien, Portugal, Griechenland usw. mit Transferzahlungen versorgen. Ob sie das wollen oder nicht.

Wir rechnen deshalb fest damit, dass spätestens ab Mitte/Ende 2021 überall wieder Diskussionen aufflammen werden, wer nun für wen haftet und in welcher Höhe. Wir werden möglichlicherweise wieder Spannungen zwischen Nordeuropa und Südeuropa erleben, in denen die Nordeuropäer den Südeuropäern vorwerfen, sie wären Faulpelze und würden nur von Schulden leben (siehe 2014). Die Südeuropäer werden sich dies jedoch nicht (mehr) gefallen lassen. Wir erwarten deshalb auch wieder die deutliche Zunahme von nationalistischen bzw. EU-kritischen Tendenzen in der breiten Bevölkerung, während Politiker verzweifelt versuchen werden, kritische Stimmungen als „Rechtspopulismus oder Verschwörungstheorien“ zu brandmarken.

 

Unsere Empfehlung: Man sollte genau hinhören, was die Medien berichten und die Glaubhaftigkeit von Meldungen, insbesondere die der öffentlich-rechtlichen und staatlich gesponsorten, mehr und mehr kritisch hinterfragen.

 

Wir empfehlen auch dringend, den Nachrichtenhorizont zu erweitern: Denn fast jedes Land hat die Möglichkeit, die EU und den Euro zu zerstören oder zumindest nachhaltig so dramatisch zu schwächen, dass dies direkte Auswirkungen auf alle anderen Länder haben wird. Wenn also in Ländern wie Italien, Spanien, Griechenland oder Portugal Stimmen laut werden würden, man müsse zum Schutz des eigenen Wohlstandes den Euro verlassen, dann wäre dies genauso dramatisch, als wenn Deutschland dies selbst tun würde. 

Der Austritt Großbritanniens führt zu Machtverschiebungen der Interessen in der EU, der Süden wird stärker.

Wie sicher die Banken in Europa wirklich sind

Banken haben jahrhundertelang eine wesentliche Rolle in der wirtschaftlichen und finanziellen Entwicklung eines jeden Landes gespielt. Manche Banker sind im Laufe ihres Lebens durch das Verleihen von Geld unermesslich reich geworden, in der neueren Historie der letzten 15 Jahre haben sie dann das Zocken an den Kapitalmärkten ebenfalls für sich entdeckt.

 

Banken etablierten sich als sicheres Sammelbecken für die meisten Sparer und Geldanleger, die all ihr Erspartes ihrer Bank zur sicheren Aufbewahrung und Vermehrung anvertrauten. Manche Banken glaubten, sich zu „global players“ entwickeln zu können, während andere Banken sich zu Spezialbanken entwickelten.

 

Der Banker selbst galt als überaus seriöse und vertrauenswürdige Person, an den man sich in allen Geldangelegenheiten wandte und zumeist das tat, was dieser empfahl.

 

All das war einmal in der guten alten Zeit der Banken.

 

Spätestens seit der Finanzkrise 2008 wurden die Banken als das Wurzel allen Übels diskreditiert und der Banker selbst als Wolf im Schafspelz identifiziert.

 

Wörter wie „Gierbanker und Zockerbuden“ fanden Einzug in die geheiligten Hallen der Banken. Seitdem haben die Banken in Europa im Durchschnitt ca. 90 Prozent ihres Wertes verloren, die Tendenz zeigt weiter ganz eindeutig nach unten. Banken kämpfen in der Tat genauso um ihr Überleben wie der Einzelhandel oder die Tourismusbrache während der Pandemie, nur mit dem Unterschied, dass es für sie mit Sicherheit auch danach keine „rosigen Zeiten“ geben wird.

 

Denn die Einnahmen der Banken durch Zinsgeschäfte dürften sich sogar noch weiter verschlechtern als sie es ohnehin bereits sind, da die Zentralbanken die Zinsen in den nächsten Jahren nicht erhöhen werden. Das Geschäft mit den Gebühren für Konten usw. lässt sich nicht unbegrenzt ausweiten, da der Verbraucher heute vielfältige Möglichkeiten wie Fintechs nutzen kann, die wesentlich günstiger sind, dabei technisch wesentlich ausgereifter sind und genauso sicher (oder unsicher) sind wie jede andere Bank auch.

 

Wollen die Banken heutzutage ihr Geschäft profitabler gestalten (oder besser gesagt halbwegs stabilisieren), müssten sie deutlich mehr Risiken eingehen als bisher. Dies jedoch erlaubt ihnen die Bankenaufsicht nicht, da sie dafür zwischenzeitlich zu wenig Eigenkapital haben. Die neuen Anforderungen an die europäischen Banken hinsichtlich Basel IV wird dies sogar noch weiter verschärfen. In den europäischen Bankbilanzen befinden sich mindestens 1,5 Billionen an bereits ausgefallenen, faulen Krediten, die eigentlich wertberichtigt sein müssten. Doch die Bilanzierungsregeln (wie auch die Insolvenzordnung) wurden während der Pandemie stark aufgeweicht, ansonsten wären viele Banken und der Euro möglicherweise bereits am Ende.

 

Die Banken versuchen nun verzweifelt, ihre Kosten an die weiter sinkenden Einnahmen anzupassen. Gleichzeitig versuchen sie, durch Sonderangebote mehr Kunden zu gewinnen. Masse statt Klasse ist das Erfolgsrezept, oder besser gesagt der einzige ihnen verbleibende Hoffnungsnagel.

 

Sollten Sie Unternehmer sein und mit einer solchen Prognose bei einer Bank für einen Kredit vorsprechen, werden sie unverzüglich abgelehnt und müssen sofort das Gebäude verlassen. Anders wird es den Banken über kurz oder lang auch nicht gehen. Denn wenn immer weniger Investoren bereit sind, einem solchen Geschäftsmodell Vertrauen zu schenken, bleibt letztlich nur noch die Hoffnung der Rettung durch den Staat oder die Zentralbank. Oder eben die Pleite.

 

Wir rechnen deshalb fest damit, dass das Problem der Banken nach der Pandemie mehr und mehr in den Vordergrund rücken wird. Wir rechnen damit, dass für eine Rettung der Banken durch die Zentralbank mindestens nochmals der gleiche Betrag aufgewendet werden müsste als für die Pandemie. Wir rechnen im Falle einer Bankenkrise zunächst mit dem Ausfall von einzelnen Banken, dann jedoch mit einem Dominoeffekt.

 

Ob es zu einem Zusammenschluss oder zu Übernahmen im größeren Stil kommt, ist überaus fraglich. Denn zwei oder mehrere negative Geschäftsmodelle zusammen ergeben noch lange kein positives und überlebensfähiges, auch wenn so mancher Finanzminister in der jüngsten Zeit dies mit der Fusion zweier schwer erkrankter deutscher Großbanken hoffte.

 

Aus unserer Sicht wird dieser Mix aus explodierten Staatsverschuldungen, Auseinandertriften der europäischen Volkswirtschaften (Nord-Süd), Konzeptlosigkeit für die Zukunft, stagnierende Prognosen für den zukünftigen Wachstumsweg und die dunklen Wolken einer aufziehenden europäischen Bankenkrise möglicherweise nicht mehr einfach nur „weggedruckt“ werden können.

Deutsche Bank und JP Morgan als repräsentative Banken Europa / USA

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