Drei Argumente, die genannt werden, warum es keinen Finanzcrash in naher Zukunft geben wird

Es gab in den letzten 3000 Jahren keine Zeit, in der Zinsen langfristig im Null- und Negativbereich waren. Gleichzeitig führte die massive Ausweitung von Geld durch die Zentralbank in den Historie stets früher oder später zur Hyperinflation. Dennoch werden derzeit Argumente gebracht, warum dies nicht eintreten wird.

Die Befürworter der derzeitigen Geld- und Fiskalpolitik geben Entwarnung. Dabei werden überwiegend 3 Argumente gebracht, warum Verwerfungen des Geldsystems nicht kommen werden. Wir haben diese 3 Hauptargumente - das Modell Japan, die  New Monetary Theory und die Abhängigkeit von der Geldumlaufgeschwindigkeit, ein wenig näher analysiert.

Argument 1: Japan druckt seit 20 Jahren Geld, hat die höchste Staatsverschuldung aller Industriestaaten und trotzdem keine Hyperinflation

Wie weit kann sich ein Staat verschulden, ohne dass daraus eine neue Finanzkrise erwächst? Mit der Coronakrise wird Japan mit seiner ultralockeren Geldpolitik endgültig zum globalen Studienobjekt für diese Frage.

 

Bereits nach dem Platzen der Aktien- und Immobilienblase 1990 begann in Japan das große geldpolitische Experiment. Der Staat legte Konjunkturprogramme auf, um einen Absturz der Wirtschaft zu verhindern. Die Bank von Japan senkte den Leitzins auf null Prozent und wurde damit zum geldpolitischen Pionier.

 

2002 begann die japanische Zentralbank, massiv japanische Staatsanleihen vom Markt zu kaufen. Die Notenbank sorgte auch dafür, dass die Zinsen trotz immens steigender Schulden nicht stiegen.

 

Von einer hohen Inflation, vor der Kritiker dieser Politik gewarnt hatten, ist in Japan bis heute nicht einmal ein Hauch zu spüren. Stattdessen nistete sich die Deflation immer tiefer in der Wirtschaft als neuer Normalzustand der Japaner ein.

 

Die Notenbank besitzt nun rund 50 Prozent der Staatsschulden. Gleichzeitig kontrolliert sie auch die Zinsen: Kurzfristige Anleihen werden im Minus gehandelt, zehnjährige Anleihen um null Prozent. Zusätzlich ist die Notenbank zu einem stillen Großaktionär vieler Großkonzerne geworden.

 

Die Staatsverschuldung beläuft sich zwischenzeitlich auf stattliche 270% des BIP.

 

Während Japan seit vielen Jahren in der Deflation ist, sind auch dort in erster Linie in den Ballungszenten Boden- und Immobilienpreise explodiert. Dies führte dazu, dass speziell die junge Generation keinen bezahlbaren Wohnraum mehr dort findet, wo sie arbeitet. Es bleibt also weniger Geld für Konsum übrig.

 

Darüber hinaus Japan hat ein gewaltiges demographisches Problem, wahrscheinlich auch eine Ursache der jahrzehntelangem Deflation. Das Durchschnittsalter der Japaner ist mit fast 50 Jahren das höchste aller Industrienationen, der Anteil der über 65-jährigen beläuft sich zwischenzeitlich auf über 25 Prozent.

 

Die Bevölkerung nimmt seit Jahren immer mehr ab, die Geburtenraten werden immer geringer, während die Sterblichkeitsrate steigt. In nur 10 Jahren wird der Anteil der nicht arbeitenden Bevölkerung in Japan mehr als 67% sein.

 

Diese Argumente sind nicht gerade Inflationstreiber, sondern befeuern die Deflation, und dies nunmehr seit vielen Jahren.

Insofern könnte das „Experiment Japan“ zeigen, dass es den Notenbanken, was immer diese auch tun, nicht gelingen wird, eine Deflation zu bekämpfen und eine Inflation anzufeuern. Europa würde dann noch weiter stagnieren, Vermögenswerte würden weiter inflationär steigen, die Spalte zwischen arm und reich noch größer.

 

 

Dass jahrzehntelange Deflation und Stagnation ein Land in einer Krise ebenfalls extrem anfällig macht, zeigt die Auswirkung der Pandemie: Der Rückgang der wirtschaftlichen Leistungen im zweiten Quartal 2020 ist der stärkste, den das Land seit 1980 verzeichnet hat. Japan steckt bereits in einer Rezession. Tokio Japans Wirtschaft hat im Zuge der Coronakrise einen noch drastischeren Rekordeinbruch erlitten als bislang erwartet. Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) der drittgrößten Volkswirtschaft der Welt sank im zweiten Quartal 2020 um real 28,1 Prozent. Dafür sorgten vor allem der noch geringere Konsum sowie geringere Löhne.

Argument 2: Die ökonomischen Theorien der letzten 3.000 Jahre sind nicht mehr gültig, wir haben nun die „New Monetary Theory“, die alles erklärt

Auf den ersten Blick klingt alles ganz verlockend: In einer Zeit ohne Zinsen sind schuldenfinanzierte staatliche Ausgabenprogramme nicht nur möglich, sondern geradezu ein Muss! Denn diese kosten ja nichts, und zurückbezahlt werden sie wahrscheinlich auch nicht müssen, denn der Staat druckt über seine Zentralbank einfach Geld und gibt es dann aus.

 

Ohnehin, so behauptet die New Monetary Theory, kann ein souveräner Staat mit eigener Währung gar nicht Bankrott gehen. Die Zentralbank kann jederzeit und unlimitiert Geld drucken. Nach der New Monetary Theory lässt sich damit die Konjunktur immer wenn nötig anschieben und Arbeitslosigkeit bekämpfen, und via Besteuerung können inflationäre Tendenzen bekämpft werden. In Europa wäre dies nahezu ein Schlaraffenland für viele Länder. Denn Länder wie Griechenland, Spanien, Italien, Rumänien usw. müssten sich keinerlei Sorgen mehr machen, wie sie genügend Arbeitsplätze generieren können, es würden einfach irgendwelche gigantische Projekte mit zusätzlich gedruckten Euros entstehen, egal, ob sinnvoll, benötigt oder nicht.

 

Wenn man jedoch in die Vergangenheit blickt, dann scheint es schon etwas sehr naiv zu glauben, ein ungehemmter Schuldenaufbau hätte keine negativen Rückwirkungen. Und in der Tat glaubten das schon viele. Das Vertrauen in eine Währung entsteht in erster Linie durch das freie Spiel der Kräfte in der Marktwirtschaft, einer Preisfindung, der Angebot und Nachfrage zugrunde liegt, sowie dem festen Glauben, dass die Währung durch die Leistungsfähigkeit einer Vorlkswirtschaft begrenzt ist, also grundsätzlich ein knappes Gut ist. Dagegen haben wir seit jeher die Erfahrung, dass unbegrenzt vorhandene Güter (in diesem Falle Geld) weitaus weniger wert ist als knappe Güter (oder sogar wertlos sind).

 

Wird nun ein Part (Angebot oder Nachfrage) hauptsächlich staatlich bestimmt, dann ändert sich eine Marktwirtschaft und ökonomische Preisfindung gravierend. In diesem Fall rücken dann auch die Produktivität und Rentabilität immer mehr in den Hintergrund. Eine logische Konsequenz wäre dann eine staatliche Preiskontrolle vieler Güter und Dienstleistungen, so wie es vor 30 Jahren in Osteuropa und Ostdeutschland der Fall war.

 

Wenn der Staat zukünftig also die alles entscheidende Kraft im Wirtschaftskreislauf ist, dann ist der Weg zu einer staatlich kontrollierten Planwirtschaft nicht mehr weit.

 

Unserer Meinung nach ist die New Monetary Theory genauso blauäugig und naiv wie die Annahme, die Wirtschaftskraft einer Volkswirtschaften könnten unbegrenzt wachsen. Denn wir leben nun einmal in einer begrenzten Welt, mit begrenzten Ressourcen, begrenztem Raum und begrenzter Natur. Dazu gehört auch begrenztes Geld.

Argument 3: Die Ausweitung der Geldmenge spielt keine Rolle, solange die Geldumlaufgeschwindigkeit nicht steigt.

Gelddrucken allein sorgt nicht für steigende Preise. Damit dies geschieht, müssen bestimmte Voraussetzungen erfüllt sein.

 

Eine der Wichtigsten ist die Zunahme der Geldumlaufgeschwindigkeit.

 

Nicht erst seit der Weltfinanzkrise oder der aktuellen Corona-Krise wurde Geld gedruckt, um Löcher in Bankbilanzen zu stopfen oder Staatsschulden zu finanzieren. Wann immer die Notenbanken Geld aus dem Nichts schöpfen, findet Inflation statt, was per Ursprungsdefinition nichts anderes als die Ausweitung der Geldmenge beschreibt (Lat. Inflatio = „Aufblähen“ der Geldmenge).

 

In unserem heutigen Geldsystem schöpfen aber nicht nur die Notenbanken Geld aus dem Nichts, sondern auch die Geschäftsbanken über das Teilreservesystem. Die Banken sind sogar für den überwiegenden Teil der Geldschöpfung via Kreditvergabe an Schuldner verantwortlich. Es kommt also bei der Inflation im Sinne der Geldmengenausweitung nicht nur darauf an, wie viel Geld die Notenbanken drucken und verteilen, sondern auch auf die Kreditvergabe der Banken.

 

Betrachten wir die Auswirkung am Beispiel USA: Momentan führt die Geldschöpfung in den USA zu einem Anstieg der Geldmenge M2 gegenüber dem Vorjahr um mehr als 20 Prozent.

 

Die Inflation der Geldmenge gewinnt exponentiell an Schwung. Die Geldmenge M2 setzt sich aus allem Bargeld, Giralgeld (Sichtguthaben) sowie geldähnlichen Vermögenswerten, wie z. B. kurzfristig liquidierbaren Spareinlagen oder Wertpapieren mit kurzer Laufzeit zusammen.

 

Obwohl die US-Geldmenge prozentual zweistellig steigt, bleibt die Teuerung, gemessen an einem vordefinierten statistischen Warenkorb, aktuell gering. Ein wichtiger Grund für die abnehmende Teuerungsdynamik waren die stark vergünstigten Energiepreise (Rohöl, Erdgas, Heizöl, Benzin, Diesel etc.).

 

Ein weiterer Grund ist die ansteigende Sparquote. Wegen der Corona-Krise und den ohnehin hohen Schulden nutzen viele Amerikaner das vom Staat zur Verfügung gestellte Geld aus dem Billionen-Notprogramm zum Abbau von Verbindlichkeiten und bilden Rücklage für noch schlechtere Zeiten. Dadurch steigt die Haltedauer des Geldes und die Geldumlaufgeschwindigkeit sinkt.

 

Daraus folgend sinkt die Nachfrage, trotz explodierender Geldmenge. Die Preise steigen selektiv nur dort an, wo Knappheit herrscht oder eine Sondernachfrage existiert.

 

Wächst nun das Vertrauen der Verbraucher in sichere Jobs, Einkommenssteigerungen und eine wachsende Wirtschaft wieder, werden diese wieder mehr und mehr ihres Ersparten in den Konsum stecken und noch mehr Konsumkredite, Kreditkartenlimits usw. in Anspruch nehmen. Dadurch erhöht sich die Geldumlaufgeschwindigkeit und die Inflation steigt. Trifft beispielsweise nach der Pandemie mehr Nachfrage nach Gütern oder Dienstleistungen auf weniger Angebot, weil beispielsweise viele Handels-, Dienstleistungs- und Gastronomiebetriebe schließen mussten, dann führt dies ebenfalls zur Inflation (Verknappung des Angebots).

 

Das 3. Argument „Die Ausweitung der Geldmenge spielt keine Rolle, solange die Geldumlaufgeschwindigkeit nicht steigt“ ist also kurzfristig durchaus richtig für Güter des täglichen Konsums und begründet auch die deflationären Tendenzen aufgrund des fehlenden Vertrauens der Verbraucher.

 

Dennoch birgt die massive Geldmengenerhöhung mittel- und langfristig erhebliche andere Risiken. Durch die Geldmengenausweitung fließen immer höhere Sparquoten verstärkt in Vermögenswerte, sei es in Aktien, Immobilien usw., welches diese stark inflationieren lassen, wie dies seit einigen Jahren der Fall ist.

 

Nahezu kostenlose Kredite werden benutzt, um mittels Kreditfinanzierung ebenfalls Vermögenswerte (oder auch Optionen) zu kaufen, welches die Inflation in diesen Werten noch weiter erhöht. Darüber hinaus treten neben „normalen“ Investoren immer mehr auch die Zentralbanken als Käufer von Vermögenswerten auf (und sind zwischenzeitlich die mit Abstand größten „Investoren“), was diese Anlagen noch weiter inflationieren lässt.

 

Dadurch ist das marktwirtschaftliche freie Spiel der Kräfte zwischen Angebot und Nachfrage längst ausgehebelt worden und ist manipuliert gesteuert, wie sich natürlich auch an den Zinsen zeigt. Das Wichtige daran ist jedoch, dass es hierbei keinen Weg zurück mehr gibt und derzeit die Blasen erzwungenermaßen immer größer werden.

 

Doch ist dieses Spiel nicht unendlich. Die Frage ist nicht ob, sondern wann dieses System zusammenbricht. Spätestens jedoch dann, wenn Konsumenten das Vertrauen in das Geld verlieren und mehr und mehr dazu übergehen, dieses in Sach- und Vermögenswerte umzutauschen. Dann würde die Geldumlaufgeschwindigkeit rapide ansteigen, was hyperinflationäre Konsequenzen haben würde.

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