Tipps zur England Insolvenz und zum BREXIT

Welche Auswirkungen der Brexit auf das Privatinsolvenzverfahren in England für Deutsche und Österreicher hat. Gültigkeit der Restschuldbefreiung nach Brexit, Tipps und Ratschläge.

Mit dem Brexit ändert sich möglicherweise die Anerkennung der britischen Restschuldbefreiung in der EU, wenn diese nach dem 01.01.2022 erteilt wurde, also das Insolvenzverfahren nach dem 01.01.2021 eröffnet wurde. Wir sagen absichtlich möglicherweise, weil bis dato keine vertraglichen Vereinbarungen diesbezüglich zwischen Großbritannien und der Europäischen Union abgeschlossen sind.

Insolvenzrecht: Der Vorteil der englischen Restschuldbefreiung

In den vergangenen Jahren nutzten viele Deutsche, die insolvent geworden waren, England als Ort, um sich möglichst schnell von ihren Schulden zu befreien und damit einen anschließenden Neubeginn zu ermöglichen. Durch den bevorstehenden Austritt des Vereinigten Königreichs ist das Fortbestehen dieser Möglichkeit nach dem Austritt Großbritanniens aus der EU ungewiss.

Das englische Recht bietet im Vergleich zum deutschen Insolvenzrecht einen entscheidenden Vorteil: Die Restschuldbefreiungsperiode dauert in England lediglich sechs bis zwölf Monate, während diese in Deutschland mindestens drei, in der Regel jedoch fünf bis oftmals sieben Jahre beträgt und darüber hinaus viele Risiken beinhaltet, die dazu führen können, dass die ersehnte Restschuldbefreiung verwehrt werden kann und es somit gar nicht zu einer Entschuldung kommt.

Gerade einmal 5,8 Prozent schaffen eine vorzeitige Entschuldung in Deutschland:

Und gerade hier sprechen die Fakten für sich: Gerade einmal 5,8 Prozent schaffen es, sich innerhalb der verkürzten Wohlverhaltensperiode von drei Jahren zu entschulden! Denn die verkürzte dreijährige Entschuldung erfordert in Deutschland eine Abgeltungsquote von mind. 35 %, was für die meisten Betroffenen schlicht und einfach gesagt finanziell nicht möglich ist - wie auch?.

Das deutsche Insolvenzrecht bestraft, das englische Insolvenzrecht verzeiht:

Der Grund dieser zeitlich sehr unterschiedlichen Entschuldungsdauern in Deutschand oder Österreich und Großbritannien liegt an den unterschiedlichen Rechtssystemen der jeweiligen Länder: In Deutschland soll der Schuldner aus der Zahlungsunfähigkeit herausgeführt werden, indem er mehrere Jahre nur das pfändungsfreie Einkommen erhalten kann, während in England der insolvente Schuldner nach einer viel kürzeren Periode zur Wiederherstellung des Rechtsfriedens wieder an der Volkswirtschaft teilnehmen soll. Ferner wirken sich in Deutschland viele Faktoren ungünstig bis unmöglich auf die anschließende Restschuldbefreiung aus (wie z.B. unerlaubte Handlungen, Insolvenzverschleppungen, Steuerschulden usw.) während diese von der Restschuldbefreiung nach englischem Privatinsolvenzrecht meist gänzlich erfasst werden.

Volle Anerkennung der englischen Restschuldbefreiung in der EU

Seit dem Inkrafttreten der europäischen Verordnung über Insolvenzverfahren (EUInsVO) am 29. Mai 2000 war gemäß Art. 12 EUInsVO eine universelle Entschuldung durch ein Insolvenzverfahren in einem Mitgliedsstaat der EU möglich.

Aus diesem Grund verlegten in der Vergangenheit viele privatinsolvente Schuldner ihren Wohnsitz von Deutschland nach England, wo sie, nachdem sie dort zwischen dreieinhalb und sechs Monate gelebt hatten, dann einen Insolvenzantrag stellten. Nach der Entschuldungsperiode konnten die Schuldner danach spätestens zwölf Monate später wieder komplett legal und von allen Restschulden befreit nach Deutschland zurückkehren und dort einen Neuanfang starten.

Diese Bedingungen hatten sich jedoch in den letzten Jahren, vor allen Dingen auf Seiten der englischen Gerichte, deutlich verschärft. Man wollte damit dem sogenannten Insolvenz Tourismus Einhalt gebieten. Es waren in den letzten Monaten bereits deutlich mehr Voraussetzungen und Beweise notwendig als noch vor einigen Jahren, damit das englische Gericht bzw. der englische „Insolvency Service“ die Insolvenz eröffnet und nicht von vorneherein ablehnt. Jedoch gilt nach wie vor die Entschuldung nach spätestens 1 Jahr.

Die Auswirkung des Brexit auf das Privatinsolvenzverfahren – Restschuldbefreiung

Bis zum 31.12.2020 ist eine Entschuldung in Großbritannien innerhalb eines Jahres weiterhin problemlos möglich, da sämtliche Rechtsvorschriften in der EU vollumfänglich gültig sind. Was danach ist, ist derzeit jedoch ungewiss und auch noch nicht geregelt.

Der Chancellor of the English High Court of Justice, Sir Geoffrey Vos, erklärte vor wenigen Monaten, dass die britische Regierung sich darum bemühen werde, bei den Austrittsverhandlungen eine Regelung zu finden, wonach die Möglichkeit der universellen Restschuldbefreiung in England weiterhin bestehen soll. Eine solche Vereinbarung wäre durchaus auch  im Interesse der verbleibenden EU-Staaten, da dadurch Gesetzeskompatibilität in Zeiten der Globalisierung eingehalten werden würde.

Seriöse Hilfestellung aus der Praxis zum Thema Privat Insolvenz in England

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Anders als beispielsweise deutsche Anwälte, die Ihnen sicherlich in Deutschland helfen können, aber England meist nur aus der Theorie kennen, kennen wir die hiesigen Gegebenheiten wie den britischen Insolvency Service und das britische High Court Vorort im Detail.

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