Über wie viele Schulden wir eigentlich sprechen

Es scheint fast so, als wären Millionen heutzutage das Kleingeld, Milliarden die Portokasse und Billionen ein absolut normaler Betrag. Eine Studie des IIF gibt genauen Aufschluss darüber, über welche dramatischen Summen wir eigentlich wirklich reden und welche Gefahren wirklich drohen.

Wissen Sie, wieviel eine Billion ist? Nur zur Visualisierung: 1 Billion Euro sind 20 Milliarden 50-Euro-Scheine. Legt man diese 20 Milliarden Scheine alle der Länge nach hintereinander, so kann man das Band 70 mal um die Erde wickeln. Doch selbst eine Billion Euro sind heute "Peanuts", wenn es um die tatsächliche Verschuldung geht. Eine Studie des IIF gibt Aufschluss, worüber wir eigentlich sprechen. Und sie macht keine Hoffnung auf gute Zeiten.

Studie des IIF zeigt jedes Quartal die weltwirtschaftliche Entwicklung der Schulden.

Spätestens seit der Weltfinanzkrise 2008, die auch die Euro-Krise mit auslöste, steigen die Schulden mit zunehmender Dynamik an. Das dabei erreichte Niveau ist einmalig für Friedenszeiten. Das geht aus einer Studie des IIF hervor.

 

Das IIF (Institute of International Finance) mit Hauptsitz in Washington, DC ist der größte Verband der globalen Finanzdienstleister.

 

Er wurde 1983 von 38 Banken führender Industrieländer als Reaktion auf die internationale Schuldenkrise der frühen 1980-er Jahre gegründet und seitdem auf mehr als 450 Banken und Finanzdienstleister aus mehr als 70 Staaten ausgeweitet.

 

Zu den IIF-Mitgliedern zählen Geschäfts- und Investmentbanken, Vermögensverwalter, Versicherungsunternehmen, Staatsfonds, Hedgefonds, Zentralbanken und Entwicklungsbanken.

 

Die bekannteste regelmäßige Publikation des IIF ist der quartalsweise erscheinende „Global Debt Monitor“-Bericht, der die aktuelle Schuldensituation einzelner Länder, Regionen und weltweit wiedergibt.

 

Die jüngsten Daten zum Ende des vierten Quartals 2020 sind ein immer größer werdendes Alarmsignal für alle Gläubiger und eine weitere Bestätigung für den Besitz von monetären Edelmetallen ohne Gegenparteirisiko (Schuldnerrisiko).

Angesichts der anhaltenden fiskalischen Maßnahmen in Reaktion auf die Pandemie ermittelten die Ökonomen des IIF, dass die weltweite Verschuldung bis Ende des Jahres 2020 um weitere 24 Billionen US-Dollar auf nunmehr 281 Billionen US-Dollar angestiegen ist.

 

Der durchschnittliche weltweite Schuldenanstieg betrug in den Jahren 2014 bis 2019 ca. 6 Billionen US-Dollar. Auch für das kommende Jahr rechnen die Ökonomen mit einer Neuverschuldung in Höhe des Doppelten des Durchschnittswertes der vorangegangenen fünf Jahre (ca. 12 Bio. US-Dollar für 2021). Natürlich unter dem Vorbehalt, dass die Pandemie stark abebbt.

Hier können Sie den aktuellen Quartalsbericht der IIF downloaden.

Global Debt Monitor Q4 2020
Global Debt Monitor_Feb2021_vf.pdf
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Rückblick auf die Euro Krise 2014

Wir erinnern uns sicherlich alle noch gut an die Zeit, als Herr Schäuble deutscher Finanzminister war und mit drohendem Finger auf die hoch verschuldeten Länder Griechenland, Portugal, Irland und Zypern zeigte. Die Deutschen wurden damals fast wieder zum Todfeind erklärt, da sie drastische Einsparungsmaßnahmen in diesen Ländern forderten, die dann wiederum zu einer deutlichen Verarmung der Bevölkerung und einer Explosion der Arbeitslosigkeit führten. Doch wie sich die Staatsverschuldung seitdem entwickelt hat, sehen Sie hier. Die Deutschen hätten sich die Anfeindungen und das große Leid, welches sie unter der jeweiligen Bevölkerung ausgelöst haben, sparen können.

Staatsverschuldungen der Euro-Krisenländer sind 2021 auf weitaus höherem Niveau als 2014

In den Entwicklungsländern droht 2021 eine gigantische Pleitewelle

Stark rückläufige Steuereinnahmen haben den Schuldendienst für die Regierungen der Schwellenländer besonders erschwert - trotz niedriger Kreditkosten und Kredithilfen durch den IWF (Internationaler Währungsfonds). Bereits zu Beginn der Pandemie im Frühjahr 2020 kam es innerhalb kürzester Zeit zu starken Kapitalabflüsse aus den Schwellenländern in dreistelliger Milliardenhöhe.

 

Die Beistands- und Notkredite, für die der IWF Ende Juli dieses Jahres 100 Milliarden US-Dollar zur Auszahlung bereitstellte, sind bereits zu 100 Prozent reserviert bzw. ausgezahlt worden.

 

An insgesamt 103 Länder wurden bisher knapp 100 Milliarden Dollar ausgezahlt, davon sind etwa ein Drittel Notfallhilfen und zwei Drittel vorsorgliche Hilfsprogramme. Zudem hatte der Fonds 27 Staaten Schuldendiensterleichterungen von 244 Millionen US-Dollar aus seinem „Catastrophe Containment and Relief Trust“ gewährt.

 

Aber bis Ende 2021 sind Anleihen und Konsortialkredite von Schwellenländern in Höhe von über 7 Billionen US-Dollar fällig, 15 Prozent davon in US-Dollar und 85 Prozent in anderen Währungen. Insofern sind die Hilfen des IWF nur ein Tropfen auf den heißen Stein.

 

In diesem Jahr sind im Vergleich dazu lediglich 1,9 Billionen US-Dollar fällig (Quelle: Bloomberg, IWF, IIF). Entweder es wird im kommenden Jahr eine massive Aufstockung der Hilfsgelder auf Kredit durch die Industriestaaten als Geldgeber für den IWF geben, oder die Welt steht vor einer neuen Schwellenländerkrise globaler Dimension.

 

China hat sich bereits als Retter in der Not angeboten, trägt aber selbst eine hohe Schuldenlast in Höhe von 335 Prozent des Bruttoinlandsprodukts. Unter den Schwellenländern liegt China damit sogar an der Spitze der am höchsten verschuldeten Staaten im Vergleich zu ihrer Wirtschaftsleistung. Vor allem staatlich kontrollierte Unternehmen ragen aus der chinesischen Schuldenstatistik hervor.

Ohne die Notenbanken geht nichts mehr

Mehrausgaben der Staaten und Liquiditätsengpässe bei Banken sowie nichtfinanziellen Unternehmen wurden nahezu komplett von den Zentral- bzw. Noten-Banken durch die Ausgabe neuen Geldes finanziert.

 

Entweder durch direkte Kreditvergabe an Unternehmen des Privatsektors oder durch den Ankauf von Anleihen größerer Unternehmen am Kapitalmarkt. Die Staatshaushalte wurden ebenfalls durch den massenhaften Ankauf von Schuldpapieren in Billionenhöhe durch die digitale Notenpresse finanziert.

 

Dies hat zu einem starken Anstieg der Geldmenge geführt. Allein in den USA ist diese seit Jahresbeginn (YTD) um fast 28 Prozent angestiegen (Quelle: Federal Reserve Bank of St. Louis).

Kummulierte Bilanzsumme aller Notenbanken 2000-2021: Seit der Finanzkrise 2008 sind diese um 600 Prozent gestiegen.

Düstere Schulden-Prognose

Das Tempo der globalen Schuldenakkumulation hat sich seit 2016 beispiellos entwickelt: Die globalen Schulden stiegen in nur fünf Jahren um über 52 Billionen US-Dollar an. Die Covid-Krise wird die Schuldendynamik in diesem Jahr mit plus 20 Billionen US-Dollar auf ein neues Rekord-Level bringen. In den Jahren 2014 bis 2019 betrug dieser Anstieg durchschnittlich „nur“ ca. 6 Billionen US-Dollar pro Jahr weltweit.

 

Die Ökonomen des IIF kommen in ihrem Bericht zu dem Schluss:

Es besteht eine erhebliche Ungewissheit darüber, wie die Weltwirtschaft in Zukunft Schulden abbauen kann, ohne wesentliche nachteilige Auswirkungen auf die Wirtschaftstätigkeit“.

 

Zumal ein weiterer dynamischer Schuldenanstieg in den kommenden 10 Jahren von aktuell 272 Billionen US-Dollar auf dann 360 Billionen US-Dollar im Jahr 2030 vom IIF erwartet wird.

Schuldenvergleich 3. Quartal 2019 zu 3. Quartal 2020 weltweit

Laufen die Vorbereitungen für einen "Global Currency Reset" bereits?

Die Vorbereitungen in Richtung „Global Currency Reset“ diverser supranationaler Organisationen sowie der Zentral- und Notenbanken sind daher verständlich. Tilgbar sind Schulden in dieser Höhe auf konventionellem Wege nicht mehr. Nicht einmal der Schuldendienst in Form von Zinszahlungen, sofern diese marktgerecht wären, wäre ohne die massiven Markteingriffe der Notenbanken als Gläubiger der letzten Instanz noch leistbar.

 

Die Notmaßnahmen der Geldpolitiker machen das Weltfinanzsystem aber im Zeitverlauf immer instabiler und sorgen regelmäßig für neue Krisen, wie zuletzt im Herbst 2019 (US-Repo-Krise) durch den Versuch der US-Notenbank, ihre Bilanz zu schrumpfen (Tapering) und die Zinsen zu normalisieren.

 

Ein „Global Reset“ in den kommenden Jahren im Sinne eines Schulden- und Währungs-Schnitts erscheint daher immer dringlicher.

 

Der Schuldenzyklus, der nach dem Zweiten Weltkrieg neu startete, kommt damit in die finale Phase.

 

Denn das Ziel des globalen „Reset“ ist die Befreiung der Schuldner von ihrer Kreditlast. Wohingegen von Gläubigern erhoffte Zins- und Tilgungszahlungen aus Schuldpapieren zu großen Teilen ausfallen werden. Gefahr besteht auch im Falle eines globalen „Reset“ (zu Deutsch: Neustart) bezüglich der Konfiskation oder Zwangsbesteuerung von Vermögenswerten.

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