Welche Zukunft hat Europa und die Eurozone?

Europa im Dilemma zwischen immer mehr Schulden, bürgerfremden Politikern, einer drastischen Zunahme von Ungleichheit und fehlenden Zukunftsvisionen. Steht Europa vor der größten Schuldenkrise aller Zeiten?

Letztes Update 31.07.2021

Noch scheint alles gut zu sein. Denn weite Teile Europas sind noch im Pandemie-Modus. Es scheint, als hoffen Politiker, dass dieser Zustand noch lange anhält. Denn nach der Pandemie geht es um Fakten wie explodierende Staatsverschuldung, massive Geldmengenausweitung, Stabilität des Euro, massiv zugenommene Ungleichheit zwischen arm und reich und der massive Abstieg Europas gegenüber Asien und den USA bei sämtlichen neuen Technologien. Man sollte von der Politik keinerlei Wunder erwarten, sondern sich lieber individuell vorbereiten.

Situation in der Euro-Zone 2021 am Beispiel Italien

Anfang 2021 wurde, nach einer weiteren politischen Krise im italienischen Parlament, der ehemalige EZB-Chef Mario Draghi zum neuen Premierminister des drittgrößten Mitgliedsstaates der EU, Italien, ernannt. Draghi startet derzeit das größte Schuldenprogramm in der Europäischen Union, um damit zu versuchen, mit immer mehr Schulden Italien aus der Dauerkrise zu holen. Ob ihm das gelingen wird, ist mehr als fraglich.

 

So schrieb die deutsche Zeitung „Welt“ in einem Artikel im April 2021:

 

In den ersten Monaten seiner Amtszeit hat Draghi das defizitfinanzierte Konjunkturprogramm seiner Vorgängerregierung um über 70 Milliarden Euro aufgestockt. Damit summiert sich die Neuverschuldung auf weit über 170 Milliarden Euro. Draghis Regierung rechnet damit, dass das diesjährige Haushaltsdefizit auf 11,8 Prozent der Wirtschaftsleistung in die Höhe schießen wird.

 

Das wäre nicht nur die höchste Neuverschuldung des Landes seit Anfang der 1980er-Jahre, sondern – gemessen am Bruttoinlandsprodukt (BIP) – auch das größte Konjunkturprogramm in Europa. „Draghi wettet das Haus“, kommentierte die Finanzagentur Bloomberg die Haushaltspläne.

 

Tatsächlich könnte Draghi als Premier italienische Wirtschaftsgeschichte schreiben. Die Schuldenquote dürfte in diesem Jahr auf 160 Prozent des BIP steigen und damit den bisherigen Rekord noch übertreffen, den das Land nach dem Ersten Weltkrieg aufgestellt hatte.

 

1920 markierte der Staat kurz vor der Ära der faschistischen Diktatur von Benito Mussolini den bisherigen Höchstwert von 159,5 Prozent.

 

Das hohe Budgetdefizit ist auch insofern bemerkenswert, weil Italien mit rund 209 Milliarden Euro aus dem europäischen Hilfsfonds rechnen kann. Erst am Sonntag hatte Rom angekündigt, den nationalen Plan zum Einsatz der Milliardenmittel pünktlich zum 30. April in Brüssel einreichen zu wollen.

Europa auf dem Weg in eine Schuldenzone von nie dagewesenem Ausmaß

Besonders die Südländer der Eurozone verschulden sich immer weiter, ohne dass deren Wirtschaftskraft wächst. Im Vergleich zu 2019 haben dort die Schulden um nahezu 20% in nur einem Jahr zugenommen. Tendenz weiter rasant steigend, da es bei immer weiter steigenden Kosten nicht gelingt, die Wirtschaftskraft überproportional zu steigern.

 

Da die Eurozone jedoch "nur" über eine Währung verfügt, sitzen alle im gleichen Boot, egal, ob in Italien, Frankreich, Deutschland oder den Niederlanden. Somit hat die dramatische Verschuldung der Südländer und die immer größer werdenden Geldmengen der EZB durch Ankauf von Staatsanleihen direkten Einfluß auf alle Länder.

 

Wir befürchten, dass mit dem Ende der Covid19-Pandemie das dicke Ende erst bevorsteht.

Massive Inflation ist bereits da, kann jedoch von der Zentralbank nicht mehr bekämpft werden

Die Aussage der Politik und der Zentralbank, dass die Inflation moderat und kaum spürbar wäre, ist schlicht und einfach falsch. Vielmehr hat in allen wichtigen Bereichen (Immobilien, Rohstoffe, Nahrung) eine enorme Preisexplosion bereits stattgefunden. Man kann davon ausgehen, dass die weitere dramatische Erhöhung dieser Geldmenge diesen inflationären Preistrend noch mehr verstärken wird. Der Konsument wird dies früher oder später deutlich zu spüren bekommen - sei es im Supermarkt, beim Bau oder Kauf der eigenen Immobilie und in vielen anderen Bereiche des täglichen Lebens. Gleichzeitig kam es zu keinen Lohn- bzw. Einkommenssteigerungen, Erträge beim Sparen sind zwischenzeitlich negativ, da immer mehr Banken neben Nullzinsen auf Spareinlagen die Gebühren drastisch erhöhen (müssen).

 

Die EZB hat dem in der Tat nichts mehr entgegen zu stellen. Denn zur Bekämpfung der Inflation müsste sie entweder die Zinsen erhöhen, oder sie müsste das Gelddrucken einstellen (Tapering). Beides würde jedoch unmittelbar zu massiven Problemen in den Staatshaushalten der Südländer der Eurozone führen.

 

Die EZB befindet sich in einem Dilemma. Denn eine steigende Inflation führt, wenn das Wirtschaftswachstum und die Löhne nicht ebenfalls überproportional anwachsen, zu einer Stagflation. Diese wiederum kann zu erheblichen Verwerfungen wie massive Zunahme der Arbeitslosigkeit, Firmenpleiten und sozialen Spannungen führen.

 

Unserer Meinung nach ist diese Gefahr nicht langfristig latent, sondern wird sich bereits jetzt immer mehr verschärfen. Deshalb erwarten wir auch die deutliche Zunahme von massiven Schwankungen an den Kapitalmärkten ab Herbst 2021, ebenso wie die Zunahme von Demonstrationen in verschiedenen Ländern gegen die Politik.

Mais Preisentwicklung seit 2017 - 2021

Sojabohnen Preisentwicklung seit 2017 - 2021

Weizen Preisentwicklung seit 2017 - 2021

Rindfleisch Preisentwicklung seit 2017 - 2021

Bauholz Preisentwicklung seit 2017 - 2021

Legehennen Preisentwicklung seit 2017 - 2021

Stahl Preisentwicklung seit 2017 - 2021

Kupfer Preisentwicklung seit 2017 - 2021

Entwicklung Immobilienpreise Deutschland 2017 - 2021

Entwicklung Immobilienpreise Eurozone 2017 - 2021

Europa auf dem alternativlosen Weg in die Schulden- und Transferunion zur Sicherung des Euro

Im Herbst 2021 ist in Deutschland Bundestagswahl.

 

Es mag für die Bürger vielleicht kurzzeitig interessant sein, welche Farbe nun die Wahl gewinnen wird. Doch spielt es wahrscheinlich keine große Rolle, wer die Wahl letztlich gewinnt und welche Koalition gebildet werden muss. Letztlich wird es keine großen Veränderungen oder gar neue Visionen geben, die Deutschland und Europa nach vorne bringen. Denn es fehlt schlicht und einfach an Ideen, und es fehlt auch der Wille, Chancen zu ergreifen und neue Wege einzuschlagen. Anstatt dessen wird man seitens der Politik fortfahren, die staatliche Macht weiter auszubauen, die eigenen Pfründe zu sichern, die Bürger mit Floskeln oder auch Drohungen bei der Stange zu halten und hofft, dass sich möglichst so wenig wie möglich ändert.

 

Wie bei jeder Wahl stellen die Parteien ihre Wahlprogramme vor - mit letztlich immer den gleichen Floskeln und leeren Phrasen: Gemeinsam die Zukunft gestalten, mehr Chancen für alle, Zeit für Veränderung etc. Haben sich diese leeren Floskeln in den letzten 40 Jahren verändert? Wir glauben nicht.

 

Wir glauben allerdings, dass dieses Spiel der leeren Floskeln nur noch solange funktioniert, solange die Stabilität der Währung gesichert ist. Und dies entscheidet sich nicht in der deutschen Politik oder in einigen Parteien, sondern in der Zentralbank, den Finanzmärkten und den Südländern der Eurozone, deren Schulden weiter überdurchschnittlich wachsen werden, ohne Aussicht auf eine rasche wirtschaftliche Erholung.

 

Deutschland bleibt nur die Möglichkeit der uneingeschränkten Einwilligung zur Schulden- und Transferunion, um die Stabilität des Euros wenigstens noch für einige Zeit zu sichern. Länder wie Bayern und Baden-Württemberg sollten sich also schon jetzt auch auf Transferzahlungen nach Italien, Griechenland, Spanien und Portugal einstellen.

 

Die im Maastricht Vertrag geregelte Schuldengrenze von 60 Prozent wurde bereits ersatzlos gestrichen. Das Null-/Negativzinsszenario muss unter allen Umständen in den nächsten mindestens 10 Jahren weiter manipulativ gewährleistet werden, um die Staaten über Wasser zu halten. Letztlich macht es auch für Deutschland oder anderen Nordländern keinen Sinn mehr, ein Haushaltsdefizit abzubauen, wenn dieses in den Südländern und in Frankreich immer weiter erhöht wird. Denn der Euro hat stets den gleichen Wert, egal, wo er sich gerade befindet, und ist eigentlich schon jetzt bereits zum Scheitern verurteilt.

 

Man sollte davon ausgehen, dass Europa für jede weitere Krise, sei es eine Immobilienblase, ein Finanzcrash, eine Bankenkrise, eine Insolvenzkrise, ein massiver Anstieg der Inflation oder die weitere Zunahme von sozialen Spannungen immer weniger Spielraum hat, um zu reagieren. Mit der massiven Geldmengenausweitung hat man bereits (zu) viel Benzin in das Feuer gegossen und gehofft, es dadurch zu löschen. Ob so etwas bei einer weiteren Krise noch weiter funktioniert, wagen wir stark zu bezweifeln.

 

Wir gehen davon aus, dass sich der Abstand zwischen Europa und Regionen wie Asien und den USA immer weiter vergrößert. Unternehmerische Chancen, die Motivation für neue Technologien und das nötige Investitionskapital sind dort vorhanden, in Europa jedoch nicht. Wir rechnen deshalb auch mit einer Zunahme der Abwanderung besonders junger, motivierter und hochqualifizierter Europäer, so wie das bereits in Italien, Griechenland, Spanien und des Ostländern der EU der Fall ist.

 

Wir glauben auch, dass auf das Fundament der europäischen Wirtschaft, den klein- und mittelständischen Unternehmen, die über 80% der Arbeitsplätze schaffen, immer schwierigere Zeiten zukommen werden. Wer clever ist, bereitet bereits ein Standbein möglichst außerhalb der EU vor. Großbritannien beispielsweise fängt mit der Einrichtung von Freihandelszonen, ähnlich wie sie in Dubai vorhanden sind, gerade an, ausländische Unternehmen ins Land zu locken.

Bereits angekündigte Steuer- und Abgabenerhöhungen nach der Pandemie

Bei der Belastung der Arbeitseinkommen durch Steuern und Sozialabgaben ist Deutschland im OECD-Vergleich nunmehr weltweit Spitzenreiter und hat Belgien bei der Steuer- und Abgabenlast für einen alleinstehenden Durchschnittsverdiener vom bisherigen Spitzenplatz verdrängt. Dies geht aus der jüngsten Ausgabe der OECD-Studie „Taxing Wages“ hervor, die im Jahr 2020 veröffentlicht wurde.

 

Wie die unten aufgeführte Statistik der OECD zeigt, hat ein deutscher Arbeitnehmer mit ca. 40 Prozent Abzügen seines Bruttolohns in Form von Steuern und Sozialabgaben (OHNE Pflegeversicherung, Arbeitgeberanteil der Sozialversicherung, Solidaritätszuschlag und Kirchensteuer) zu rechnen. Dies ist weltweit Spitze. Der OECD Durchschnitt liegt bei 25 Prozent.

 

Einige Euroländer, unter anderem Deutschland, diskutieren bereits offen darüber, dass weitere Steuererhöhungen unausweichlich sind. Die unten aufgeführten Grafiken sollen verdeutlichen, wie die Steuerlast bereits ist. Jeder Einzelne kann selbst für sich entscheiden, ob sich bei einer weiteren Steuererhöhung Arbeiten in Deutschland überhaupt noch lohnt.

Grafik: Bruttolohn abzüglich Einkommensteuer und Arbeitnehmer-Sozialbeiträge

Wieviel dem deutschen Arbeitnehmer von einem Euro Bruttoverdienst tatsächlich noch übrig bleibt:

Betrachtet man auch den Arbeitgeberanteil der Sozialabgaben sowie die tagtäglich zu bezahlende Mehrwertsteuer, Mineralölsteuer, Tabaksteuer etc., die ein Arbeitnehmer zu bezahlen hat, bleibt von 1 Euro Bruttoverdienst gerade einmal ca. 44 Cent übrig, um davon seinen Lebensunterhalt zu bestreiten.

 

Die folgende Grafik berücksichtigt neben den direkten Steuern und Abgaben für die Sozialversicherung alle weiteren sogenannten Konsumsteuern wie Mehrwertsteuer, Mineralölsteuer etc. Auch hier ist Deutschland (natürlich) Spitzenreiter. Bitte beachten Sie, dass diese Grafik 2019 erstellt wurden. Die seitdem deutlich erhöhten Abgaben für Energie sind noch nicht berücksichtigt.

Grafik: Bruttolohn abzüglich Einkommensteuer, Arbeitnehmer und Arbeitgeber-Sozialbeiträge sowie Mehrwertsteuer (rote Balken). Während einem deutschen Arbeitnehmer von 1 Euro Brutto gerade einmal 44 Cent überig bleibt, behält der britische Arbeitnehmer 62 Cent. Das sind ca. 50% mehr.

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