Steht ein Finanzcrash in Deutschland, Europa und der Eurozone unmittelbar bevor?

Es wäre sehr naiv zu glauben, dass Blasen niemals platzen, Geld unbegrenzt gedruckt und Schulden immer weiter steigen können. Alle Anzeichen verdichten sich, dass die eigentliche Krise dann beginnen wird, wenn die Coronapandemie beherrscht wird. Spätestens dann, wenn von Krisenmodus auf Realitätsmodus geschaltet wird, beginnt das große Zittern.

Das Jahr 2020 hat viele klein- und mittelständische Unternehmen in verschiedensten Branchen an den Rand ihrer finanziellen Kraft gebracht. Ebenso sind viele Privathaushalte deutlich ärmer geworden und müssen sich zudem der Frage stellen, wie sicher ihre Arbeitsplätze in der Zukunft sein werden. Auf der anderen Seite hat die massive Inflation bei Vermögenswerten wie Aktien und Immobilien einige wenige noch reicher gemacht.

 

Wir gehen jedoch davon aus, dass dies erst der Anfang war und die eigentliche, massive Krise noch vor uns steht - und zwar dann, wenn die Coronapandemie wirksam unter Kontrolle gebracht wurde. Die Gefahr eines Finanzcrash wächst derzeit von Tag zu Tag.

 

Hauptverursacher für einen Finanzcrash sind dieses Mal die Zentralbank selbst, immer mehr ausufernde Staatsapparate, die mehr und mehr verschuldet sind und last but not least in Europa die völlig unterschiedliche Interessenslage innerhalb der Euroländer, die mit Sicherheit spätestens nach der Pandemie wieder zutage tritt. Dieses Mal trifft die Banken keine Schuld.

Das böse Erwachen kommt nach der Pandemie

Bislang sind Politik und Zentralbanken auf Krisenmodus geschaltet. Doch dies ändert sich, wenn die Pandemie vorüber oder zumindest weitläufig beherrschbar ist. Denn dann werden die Auswirkungen der exzessiven Geldpolitik, die nicht mehr zu verändernde Null- bzw. Negativzinspolitik, die immer geringer werdende Ertragskraft der Banken und die immer größer werdende Verschuldung im privaten und öffentlichen Sektor mehr und mehr zutage treten und letztlich die Frage aufwerfen, welche Tragfähigkeit ein solches Szenario für die Zukunft hat.

 

Denn selbst ein wirtschaftliches Comeback wird das exzessive Gelddrucken und Schuldenmachen nicht stoppen oder abschwächen können. Ganz im Gegenteil: Die Party wird weitergehen müssen, da Finanzmärkte, Unternehmen und die Fiskalpolitik mehr und mehr Stimulus fordern werden, ähnlich einer Droge, von der immer mehr benötigt wird. Man sollte auch nicht vergessen, wann die Geldausweitung durch die EZB begann - dies war bereits 2015, und hatte mit der Pandemie rein gar nichts zu tun.

Volkswirtschaftlich erwarten wir derzeit eine weiter fortschreitende deutliche Inflation bei Vermögenswerten wie zum Beispiel Immobilien und Aktien, allerdings auch begleitet von immer größer werdenden Ausschlägen bei der Volatilität. Selbst Kryptowährungen, sollten diese nicht irgendwann staatlich reguliert oder verboten werden, werden unserer Meinung nach weiter an Wert zulegen, sich jedoch auch extrem volatil verhalten.

 

Mit der immer weiter fortschreitenden Geldmengenausweitung der Zentralbanken steigt das Risiko einer deutlich steigenden Inflation bei Gütern des täglichen Bedarfs immer mehr an. Bürger verlieren also tagtäglich immer mehr Geld durch den Kaufkraftverlust. Dem haben die Zentralbanken nichts gegenzuhalten, denn Zinserhöhungen würden sofort massive Krisen auslösen.

 

Sicher sind wir uns auch, dass die Schere zwischen arm und reich noch weiter aufgehen wird und immer mehr Bürger darauf angewiesen sein werden, ihr hinsichtlich der Kaufkraft immer geringer werdendes Einkommen mit staatlichen Hilfen aufzustocken oder aber massive Lohnforderungen zu verlangen, um über die Runden zu kommen. Dies wiederum wird zu einem weiteren Anstieg der Staatsverschuldung und einer weiteren Anfeuerung der Inflation beitragen, und diese wiederum zu einem weiteren Anstieg der Geldmenge. Ein Teufelskreis.

 

Das Problem hierbei speziell in der Eurozone liegt jedoch darin, dass die sich in der Eurozone befindlichen 19 Länder mit der gleichen Währung Euro völlig unterschiedliche Wirtschaftsleistungen und Sozialleistungen haben. Während es also in Deutschland beispielsweise relativ gesehen leichter ist, die Löhne zu erhöhen, ist dies z.B. in Spanien, Italien oder Griechenland viel schwieriger.

Zunahme der Nettovermögen der TOP 1% im Vergleich zu 50% der Bevölkerung in USA seit 1990 bis 2021

Die Zentralbank als Verursacher des Finanzcrash

Unserer Meinung werden die kommenden Jahre besonders in Europa überwiegend von Stagflation geprägt sein. Und in der Tat – Europa hat bereits seit vielen Jahren keine führende Rolle mehr in nahezu allen neuen Technologien, der Abstand zu Asien und auch zur USA vergrößert sich weiter Tag für Tag und ist unserer Meinung nach auch nicht mehr einzuholen. Europa wird sich aus unserer Sicht mehr und mehr zum Verwaltungskoloss mit alternder Bevölkerung entwickeln, und zwar nicht erst in 50 Jahren, sondern bereits in den nächsten 5-10 Jahren.

 

Wir sind auch der Meinung, dass die politischen Einzelentscheidungen innerhalb der einzelnen Länder in der EU mehr und mehr an Bedeutung verlieren werden, zugunsten einer immer stärkeren Macht der Europäischen Zentralbank, die letztlich über das Wohl und den Untergang von allen Volkswirtschaften in der Eurozone entscheidet. Selbstverständlich werden die jeweiligen Landespolitiker das nicht zugeben, denn diese wollen ja gutbezahlt an der Macht bleiben und werden versuchen, mit immer großzügigeren Wahlversprechen ihre Wiederwahl zu stützen. Wir gehen sogar davon aus, dass Themen wie das bedingungslose Grundeinkommen immer relevanter werden, je mehr Bürger aufgrund ihres Alters aus dem Arbeitsprozess ausscheiden. Gleichzeitig wird es besonders für die Masse junger Menschen, die nicht über eine ausgezeichnete Qualifikation verfügen, immer schwieriger, sichere und einigermaßen gut bezahlte Jobs zu erhalten.

 

Die EZB wird versuchen, den Euro unter allen Umständen am Leben zu erhalten, um dadurch letztlich auch ihr eigenes Überleben zu sichern. Hören Sie in die öffentlichen Medien: Wir sind sicher, dass wir schon bald mehr und mehr Mantras darüber hören werden, wie sicher der Euro doch sei, damit ja kein Vertrauensverlust entsteht, was einem kompletten Zusammenbruch der europäischen Union gleichkommen würde.

 

Wir sind auch fest davon überzeugt, dass die EZB nicht aufhören können wird, immer mehr Geld zu drucken und dadurch auch den Zins im Null-/Negativbereich zu halten, und zwar unabhängig davon, wie die Inflation steigen wird. Denn die EZB hat sich in eine Situation hinein manövriert, aus der es kein Zurück mehr gibt. Sie kann nicht gleichzeitig die Staaten mit Null- oder Negativzinsen von der Pleite retten und gleichzeitig durch Zinserhöhung die Inflation eindämmen.

 

Wir können getrost alle damit rechnen, dass die Verschuldung der Staaten in der Eurozone immer mehr zunehmen und Größenordnungen erreichen, die selbst die Zeiten des 2. Weltkriegs in den Schatten stellen. Besonders in den Südländern der Eurozone werden die Schulden weiter explodieren, während eine Inflation ungebremst ansteigen kann.

 

Deshalb wird dieses Mal die EZB selbst einer der Hauptverursacher eines Finanzcrash sein.

 

Doch bedenken Sie auch eines: Die Europäische Zentralbank ist kein demokratisches Gebilde. Sie ist weder gewählt, noch unterliegt sie der Einflussnahme eines Parlaments. Es ist ihr grundsätzlich verboten, Staatsfinanzierung zu betreiben, dennoch macht sie es ganz offensichtlich und zwar so, wie sie es für richtig hält. Ohne jegliche Kontrolle.

 

Unserer Meinung nach wird auch alles unternommen werden, damit nach Großbritannien ja kein weiteres Land mehr aus der Europäischen Union austritt. Insofern spielt auch die Verschuldung einzelner Länder keine Rolle und ist lediglich eine politische Farce. Jeder wird zukünftig für jeden haften, ob er will oder nicht.

Entwicklung der Zentralbankbilanz der EZB im Vergleich zu den Staatsschulden der Eurozone 2012 - 2021:

Der "Nanny Staat" und seine Politiker als Verursacher für einen Finanzcrash

Seit mehr als einem Jahr versuchen sich die in Deutschland und vielen anderen Ländern Regierenden als Krisenmanager.

 

Waren die Fehler ihrer Arbeit anfänglich durch eine völlig neu aufgetretene Situation sicherlich noch entschuldbar und verständlich, so hätte man eigentlich erwarten können, dass sich, wie in der Wirtschaft, Wissenschaft und jeder normalen Gesellschaft üblich, mit fortschreitender Zeit erhebliche Lerneffekte und Verbesserungen im Handeln auch bei diesen Personen einstellen würden.

 

Doch leider war dem nicht so. Die deutsche Antwort auf die Bewältigung der Pandemie gehört sicherlich zu den am wenigsten erfolgreichen. Anstatt wirkungsvoll zu handeln, wurden und werden lieber Verantwortungen ausgeschlossen, die Schuldfrage überhaupt nicht diskutiert (keiner ist schuld, und wenn, dann immer die anderen), gegenüber den Bürgern  werden weiter leere Versprechungen gemacht und es werden Mantras ausgegeben, die dann einige Wochen später bereits wieder völlig in Vergessenheit geraten und an die sich auch keiner mehr erinnern will. Man hangelt sich von Lockdown zu Lockdown und trifft immer fragwürdigere Entscheidungen.

 

Man stellt sich die Frage, wie ein so hochbezahlter Staatsapparat mit über 6 Mio. im öffentlichen Dienst Beschäftigten es nicht einmal schaffen kann, durch ein professionelles Vertrags- und Einkaufsmanagement Impfstoffe und Tests in genügender Anzahl zu beschaffen, um seine Bürger innerhalb weniger Wochen in die Normalität zu führen. Anstatt dessen diskutiert man lieber, ob Frisörgeschäfte nun öffnen sollen oder nicht oder was mit Lebensmittelgeschäften ist, die gleichzeitig Kleidungsstücke verkaufen.

 

Es ist in der Tat der Eindruck entstanden, als gehe für die Politiker gerade wegen dieser Pandemie die Sonne auf: So werden immer mehr Grundrechte abgeschafft, demokratische Kritik als „Querdenken, Rechtsradikalismus oder Verschwörungstheorie“ gebrandmarkt, es entsteht der Eindruck, als wäre diese Pandemie ein sehr guter Anlass, einen „neuen, autoritären“ Staatsapparat (Nanny Staat) zu schaffen. Und selbst Wahlen geraten immer mehr zur Farce, da sich nach einer Wahl nichts ändern wird. Denn mit Verlaub, allein schon die Frage, welche Partei im Augenblick vorne liegt und welche nicht, ist schon lächerlich genug, wenn dann bei einer Wahl die Bürger eine deutliche Veränderung wünschen und feststellen müssen, dass sich auch nach der Wahl nichts ändert. Siehe Baden-Württemberg im Wahljahr 2021. Da fragt man sich schon, welchen Sinn eine Wahl eigentlich noch hat.

 

Möglich macht diese Neuausrichtung hin zu sog. "Nanny Staaten" letztlich die EZB, mit der zinslose Kredite in unbegrenzter Höhe zur Finanzierung zur Verfügung stehen. Wäre beispielsweise eine Neuverschuldung nur mit einer beispielsweise klitzekleinen 1%igen Verzinsung möglich, würde diese Art des Staatsmanagements definitiv nicht funktionieren, da dies schlicht und einfach gesagt nicht finanzierbar wäre. Selbst Deutschland wäre völlig pleite, ganz zu schweigen von Italien, Spanien, Griechenland etc. Die Eurozone und der Euro wären in massiver Gefahr.

 

Doch auch diese Pandemie wird irgendwann ein Ende finden. Hoffentlich fordern die Bürger dann wieder eine komplette Rückgabe ihrer demokratischen Rechte und Freiheiten. Hoffentlich fordern die Bürger dann eine Politik, die dem Wohle der Bürger dient und nicht dem Wohle der Politiker. Und hoffentlich werden die Bürger dann die Frage stellen, wie man es in Deutschland zukünftig anstellen möchte, einen völlig überregulierten Verwaltungskoloss mit über 6 Millionen Beamten und Beschäftigten im öffentlichen Dienst und einer politischen Parteienlandschaft, die sich völlig von den Bürgerinteressen abgekoppelt hat und in der es nahezu egal ist, wen man wählt, wieder zu entflechten.

 

Nach der Pandemie entsteht für die Regierenden also die große Gefahr, wieder diese süsse Macht zu verlieren, die sie sich zwischenzeitlich unter dem Vorwand des "Schutzes des Allgemeinwohls" an allen Ecken und Enden der Gesellschaft so emsig unter den Nagel gerissen haben. Das wird die Regierenden nicht sonderlich erfreuen.

 

Wir erwarten deshalb eine deutliche Verschärfung von Sicherheits- und Überwachungsgesetzen zum Schutz der staatlichen Macht, eine fortschreitende Entdemokratisierung in vielen Ländern (insbesondere in Deutschland, aber auch in anderen Ländern der EU) sowie die deutliche Zunahme von öffentlichen Mitteilungen, die den Bürgern politische Erfolge vorgaukeln sollen, die jedoch schlicht und einfach nicht vorhanden sind (zum Beispiel auch Arbeitslosenzahlen, die durch statistische Anpassungen in keiner Weise die tatsächliche Arbeitslosigkeit mehr widerspiegeln).

 

Es sollte auch nicht verwundern, wenn man Worte wie "Klimaterrorismus, Klimaverschwörung oder Bekämpfung der Klimapandemie" immer häufiger hören wird. Dies dient letztlich nur dem Zweck, diese "süsse Macht" nicht zu verlieren.

 

Historisch betrachtet hat ein zu starker, autoritärer Staat niemals dem Wohle seiner Bürger gedient. Erlangte Macht wurde erfahrungsgemäß auch nicht einfach wieder zurückgegeben.

 

Zunehmende Staatsmacht hat jedoch gefährliche Konsequenzen, vor allen Dingen dann, wenn sich diese aus der Demokratie "zurück entwickelt". Deshalb gehen wir davon aus, dass das politische Wunschdenken der Politiker nach "mehr Staat" sich letztlich als Schuss, der nach hinten losgehen wird, herausstellt:

 

Denn "mehr Staat" kostet immer mehr und mehr. Dadurch steigen die Staatsschulden immer weiter an, was zu einer immer größeren Ausweitung der Geldmenge durch die Druckerpresse der Zentralbank führt. Dies wiederum führt unweigerlich zu immer mehr Inflation, aber auch zu Preismanipulationen seitens des Staates.

 

"Mehr Staat" führt automatisch zu massivem Widerstand bei einem nicht unerheblichen Teil der Bevölkerung, vor allem wenn diese merken, dass ihre vorherige demokratische Freiheit und Grundrechte immer mehr beschnitten wird. Dadurch wird Wachstum und Innovation gedrosselt, der Wettbewerb verzerrt, die Gesellschaft gespalten und massives Misstrauen gegenüber der Politik geschürt. Dies wiederum führt zu Ineffizienz, Rückgang der realen Wirtschaftsleistung und Aufbau einer Schattenwirtschaft. Was wiederum zu noch mehr Schulden führt.

 

Deshalb wird dieses Mal die Politik und die völlig aus den Fugen geratene Staatsfinanzierung ebenfalls einer der Hauptverursacher eines Finanzcrash sein. Besonders die Inflation kann hier gefährlich dazu beitragen, aber auch die Tatsache, dass immer weniger Menschen in der Eurozone noch Vollzeit arbeiten, während die Sozialkosten immer mehr zunehmen und gleichzeitig die Wirtschaftsleistung immer mehr zurückgeht.

Entwicklung der Gesamtbeschäftigten in der Eurozone im Vergleich zu den Staatsschulden 2016 - 2021:

Entwicklung der Vollzeit-Beschäftigten in der Eurozone im Vergleich zur Gesamtbevölkerung 2016 - 2021:

Entwicklung der Wirtschaftsleistung in der Eurozone in Prozent im Vergleich zum Vorjahr 2000 - 2021:

Die Veränderung der Machtverhältnisse in Europa als Verursacher für einen Finanzcrash

Mit dem Austritt Großbritanniens aus der EU änderten sich die Machtverhältnisse zwischen Nord- und Südeuropa. So hat der südeuropäische Einfluss auf Europa deutlich zugenommen, die finanziellen Risiken dieser Länder tangieren mehr und mehr auch die nordeuropäischen Länder. Wir glauben, dass die Transferunion in jedem Fall kommen wird, es wird kein Weg daran vorbeiführen, wenn man nicht will, dass Länder wie Italien, Spanien, Portugal oder Griechenland aus der EU ausscheiden, was aus unserer Sicht das Ende des Euro und der Eurozone wäre.

 

Bereits die Eurokrise 2014 zeigte deutlich auf, dass der Euro für manche Länder viel zu teuer, für andere Länder jedoch viel zu billig ist. Im Falle von Italien oder Spanien beispielsweise führt der dort viel zu teure Euro zu extremen Problemen in der Gesellschaft. Haben sich dort die Löhne zu deutlich erhöht, hat gleichzeitig die Produktivität der Unternehmen nicht Schritt halten können und die internationale Wettbewerbsfähigkeit sich immer mehr vermindert. Dadurch entstand eine strukturell hohe Arbeitslosigkeit, geringe Chancen für junge Menschen, Karriere zu machen, eine kontinuierlich weitergehende Zunahme der Staatsverschuldung und eine gefährlich hohe Anfälligkeit der ohnehin schwachen Wirtschaft bei Krisen, die sich permanent weiter verstärkt.

 

Eine Auf- oder Abwertung des Euro in der Eurozone ist nicht möglich, Euro bleibt Euro, ob in Italien, in Griechenland oder in Deutschland. Ein Absenken der Löhne in den betroffenen Ländern ist ebenfalls nicht möglich, ebenso wenig wie eine deutliche Verbesserung der Produktivität. Und selbst ein Ausscheiden aus dem Euro ist nicht möglich, da dies das Ende des Euros oder der EU bedeuten könnte. Was bleibt, ist der Biss in den sauren Apfel: Die Transferunion, so wie wir sie aus Deutschland kennen. Bayern und Baden-Württemberg werden zukünftig also neben Berlin, Bremen, Sachsen-Anhalt und weiteren Bundesländern auch ca. 140 Millionen Bürger in Italien, Spanien, Portugal, Griechenland usw. mit Transferzahlungen versorgen. Ob sie das wollen oder nicht.

Wir rechnen deshalb fest damit, dass schon bald überall wieder Diskussionen aufflammen werden, wer nun für wen haftet und in welcher Höhe. Wir werden möglicherweise wieder Spannungen zwischen Nordeuropa und Südeuropa erleben, in denen die Nordeuropäer den Südeuropäern vorwerfen, sie wären Faulpelze und würden nur von Schulden leben (siehe 2014). Die Südeuropäer werden sich dies jedoch nicht (mehr) gefallen lassen. Wir erwarten deshalb auch wieder die deutliche Zunahme von nationalistischen bzw. EU-kritischen Tendenzen in der breiten Bevölkerung, während Politiker verzweifelt versuchen werden, kritische Stimmungen als „Rechtspopulismus, Querdenken oder Verschwörungstheorien“ zu brandmarken.

 

Die EZB wiederum wird alles versuchen, den Euro-Raum zusammenzuhalten und den Euro irgendwie zu retten. Die Ernennung des ehemaligen EZB Präsidenten Mario Draghi zum italienischen Staatspräsidenten, die noch mehr beschleunigten Ankäufe von Staatsanleihen seit März 2021 (die zwischenzeitlich nahezu 96% aller neuen Staatsschulden übernimmt) und der unbedingte Wille, den digitalen Euro zu schaffen und damit einer möglicherweise bald kommenden nächsten Krise, und zwar einer Bankenkrise, vorzubeugen, sind letztlich nur verzweifelte Schritte in die Rettung des Euros.

 

Unsere Empfehlung:

 

Hören Sie genau hin, was die Medien berichten und prüfen Sie die Glaubhaftigkeit von Meldungen, insbesondere die der öffentlich-rechtlichen und staatlich gesponsorten, mehr und mehr. Denn der Euro ist alles andere als sicher.

 

Wir empfehlen Ihnen auch dringend, Ihren Informationshorizont länderübergreifend zu erweitern: Denn fast jedes Land der Eurozone hat die Möglichkeit, die EU und den Euro zu zerstören oder zumindest nachhaltig so dramatisch zu schwächen, dass dies direkte Auswirkungen auf alle anderen Länder haben wird. Wenn also in Ländern wie Italien, Spanien, Griechenland oder Portugal Stimmen laut werden würden, man müsse zum Schutz des eigenen Wohlstandes den Euro verlassen, dann wäre dies genauso dramatisch, als wenn Deutschland dies selbst tun würde. 

Der Austritt Großbritanniens führte zu Machtverschiebungen der Interessen in der EU, der Süden wurde stärker.

Großbritannien war bislang der zweitgrößte Nettozahler in der EU. Mit dem Austritt seit 01.01.2021 fällt Großbritannien weg, so dass das Saldo von den anderen Nettozahlern (insbesondere Deutschland) übernommen werden muss.

Dieses Mal trifft die Banken keine Schuld

Banken haben jahrhundertelang eine wesentliche Rolle in der wirtschaftlichen und finanziellen Entwicklung eines jeden Landes gespielt. Manche Banker sind im Laufe ihres Lebens durch das Verleihen von Geld unermesslich reich geworden, in der neueren Historie der letzten 15 Jahre haben sie dann das Zocken an den Kapitalmärkten ebenfalls für sich entdeckt.

 

Banken etablierten sich als sicheres Sammelbecken für die meisten Sparer und Geldanleger, die all ihr Erspartes ihrer Bank zur sicheren Aufbewahrung und Vermehrung anvertrauten. Manche Banken glaubten, sich zu „global player“ entwickeln zu können, während andere Banken sich zu Spezialbanken entwickelten.

 

Der Banker selbst galt als überaus seriöse und vertrauenswürdige Person, an den man sich in allen Geldangelegenheiten wandte und zumeist das tat, was dieser empfahl.

 

All das war einmal in der guten alten Zeit der Banken.

 

Spätestens seit der Finanzkrise 2008 wurden die Banken als das Wurzel allen Übels diskreditiert und der Banker selbst als Wolf im Schafspelz identifiziert.

 

Wörter wie „Gierbanker und Zockerbuden“ fanden Einzug in die geheiligten Hallen der Banken. Seitdem haben die Banken in Europa im Durchschnitt ca. 90 Prozent ihres Wertes verloren, die Tendenz zeigt weiter ganz eindeutig nach unten. Banken kämpfen in der Tat genauso um ihr Überleben wie der Einzelhandel oder die Tourismusbrache während der Pandemie, nur mit dem Unterschied, dass es für sie mit Sicherheit auch danach keine „rosigen Zeiten“ geben wird.

 

Denn die Einnahmen der Banken durch Zinsgeschäfte dürften sich sogar noch weiter verschlechtern, als sie es ohnehin bereits sind, da die Zentralbanken die Zinsen in den nächsten Jahren nicht erhöhen werden. Das Geschäft mit den Gebühren für Konten usw. lässt sich nicht unbegrenzt ausweiten, da der Verbraucher heute vielfältige Möglichkeiten wie Fintechs etc. nutzen kann, die wesentlich günstiger sind, dabei technisch wesentlich ausgereifter sind und genauso sicher (oder unsicher) sind wie jede andere Bank auch. Und dann droht auch noch die Einführung des digitalen Euros, der im Extremfall dazu führen könnte, dass Banken zukünftig überflüssig sind.

 

Wollen die Banken heutzutage ihr Geschäft profitabler gestalten (oder besser gesagt halbwegs stabilisieren), müssten sie deutlich mehr Risiken eingehen als bisher. Dies jedoch erlaubt ihnen die Bankenaufsicht nicht, da sie dafür zwischenzeitlich zu wenig Eigenkapital haben. Die neuen Anforderungen an die europäischen Banken hinsichtlich Basel IV wird dies sogar noch weiter verschärfen. In den europäischen Bankbilanzen befinden sich mindestens 1,5 Billionen an bereits ausgefallenen, faulen Krediten, die eigentlich wertberichtigt sein müssten. Doch die Bilanzierungsregeln (wie auch die Insolvenzordnung) wurden während der Pandemie stark aufgeweicht, ansonsten wären viele Banken und der Euro möglicherweise bereits am Ende.

 

Die Banken versuchen nun verzweifelt, ihre Kosten an die weiter sinkenden Einnahmen anzupassen. Deshalb gilt der Job des Bankers heute als der Unsicherste schlechthin. Gleichzeitig versuchen sie, durch Sonderangebote mehr Kunden zu gewinnen. Masse statt Klasse ist das Erfolgsrezept, oder besser gesagt der einzige ihnen verbleibende Hoffnungsnagel.

 

Sollten Sie Unternehmer sein und mit einer solchen Prognose bei einer Bank für einen Kredit vorsprechen, werden sie unverzüglich abgelehnt und müssen sofort das Gebäude verlassen. Anders wird es den Banken über kurz oder lang auch nicht gehen. Denn wenn immer weniger Investoren bereit sind, einem solchen Geschäftsmodell Vertrauen zu schenken, bleibt letztlich nur noch die Hoffnung der Rettung durch den Staat oder die Zentralbank. Oder eben die Pleite.

 

Wir rechnen deshalb fest damit, dass das Problem der Banken nach der Pandemie mehr und mehr in den Vordergrund rücken wird. Wir rechnen damit, dass für eine Rettung der Banken durch die Zentralbank mindestens nochmals der gleiche Betrag aufgewendet werden müsste als für die Pandemie. Wir rechnen im Falle einer Bankenkrise zunächst mit dem Ausfall von einzelnen Banken, dann jedoch mit einem Dominoeffekt.

 

Ob es zu einem Zusammenschluss oder zu Übernahmen im größeren Stil kommt, ist überaus fraglich. Denn zwei oder mehrere negative Geschäftsmodelle zusammen ergeben noch lange kein positives und überlebensfähiges, auch wenn so mancher Finanzminister in der jüngsten Zeit dies mit der Fusion zweier schwer erkrankter deutscher Großbanken hoffte.

 

Aus unserer Sicht wird dieser Mix aus explodierten Staatsverschuldungen, Auseinandertriften der europäischen Volkswirtschaften (Nord-Süd), Konzeptlosigkeit für die Zukunft, stagnierende Prognosen für den zukünftigen Wachstumsweg und die dunklen Wolken einer aufziehenden europäischen Bankenkrise möglicherweise nicht mehr einfach nur „weggedruckt“ werden können.

Deutsche Bank und JP Morgan als repräsentative Banken Europa / USA

Man kann es drehen und wenden, wie man will: Alles steht oder fällt mit dem Vertrauen in den Euro.

Wenn der Euro nach der Pandemie stabil und vor allen Dingen akzeptiert bleibt, völlig egal wie groß seine Geldmenge auch sein wird, können Politiker und Regierende einzelner Länder grundsätzlich tun was sie wollen, egal, ob es den Bürgern nun passt oder nicht.

 

Wenn jedoch nicht, dann bricht das ganze Szenario zusammen wie ein Kartenhaus.

 

Dabei hat der Euro eine ganz gefährliche Schwachstelle: Er ist eine Gemeinschaftswährung aus 19 völlig unterschiedlichen Ländern, mit völlig unterschiedlichen Wirtschaftsschwerpunkten, Interessensschwerpunkten und Gesellschaftsstrukturen. Und noch dazu von Ländern, die fast überwiegend seit Jahren mit einer abnehmenden Wirtschaftsleistung bei gleichzeitig explodierenden Staatsschulden zu tun haben und diese auch nicht in den Griff bekommen.

 

Man muss nur kurz darüber nachdenken, wie instabil das System Euro bereits ist:

 

Wenn die drittgrößte Volkswirtschaft der EU (Italien) den ehemaligen Zentralbank-Chef Mario Draghi mit der Leitung ihrer Regierungsgeschäfte beauftragt, dann hat das schon Signalwirkung, wie angespannt die Lage bereits ist. Und wenn in Ländern wie Griechenland, Spanien oder Portugal die Höhe der Staatsverschuldung zwischenzeitlich keine Rolle mehr spielt und die Zinsen im Null- oder gar Negativbereich weit unter denen der USA sind, dann hat auch das Aussagekraft über die extrem angespannte Situation bei einer Währung, die nur noch durch massive Manipulation und verzweifelte Vertrauensmantras am Leben erhalten werden kann.

Entwicklung des Bruttoinlandsprodukts zu den Staatsschulden Italien und Griechenland 2012 - 2021:

Entwicklung des Bruttoinlandsprodukts zu den Staatsschulden Spanien und Portugal 2012 - 2021:

Entwicklung des Bruttoinlandsprodukts zu den Staatsschulden Frankreich und Deutschland 2012 - 2021:

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