Die Nachteile einer Unternehmensgründung in Deutschland haben stark zugenommen

Deutschland gilt heutzutage nicht mehr als unternehmerfreundliches Land. Und in der Tat wird es immer schwieriger, mit einem klein- und mittelständischen Unternehmen am Standort Deutschland eine erfolgreiche Existenz aufzubauen. Gründern entstehen immer mehr Nachteile.

Wer heutzutage in Deutschland ein Unternehmen gründet und hofft, damit zu finanziellen Wohlstand zu kommen, wird schnell enttäuscht. Deutschland hat sich in den letzten 10 Jahren von einem ehemaligen Kernland des Klein- und Mittelstandes zu einem Verwaltungskoloss entwickelt, in dem speziell klein- und mittelständische Unternehmer mit immer mehr Hürden, Vorschriften, Belastungen, Bestimmungen und Steuern konfrontiert sind.

Im Ausland dagegen werden komplett andere Wege beschritten.

Deutschland wird immer unattraktiver für Unternehmer, während Großbritannien deutlich führt

Die Rahmenbedingungen für Familienunternehmen in Deutschland werden immer schlechter. Dazu führt das Mannheimer Wirtschaftsforschungsinstituts ZEW im Auftrag der Stiftung Familienunternehmen jährlich eine Standortstudie durch. Unter den 21 untersuchten Industrienationen zählt Deutschland mit Platz 17 zu den Schlusslichtern. Noch schlechter schneiden nur Frankreich, Spanien, Japan und Italien ab. Spitzenreiter des „Länderindex Familienunternehmen“ 2020 ist Amerika, gefolgt von Großbritannien, den Niederlanden und Kanada.

 

Im aktuellen Standortvergleich von 21 Industrienationen ist Deutschland im Vergleich zu 2018 um drei Plätze auf Rang 17 abgerutscht. Deutschland erreicht die schlechteste Position in der Geschichte des „Länderindex Familienunternehmen“

 

Schwächen des Standorts Deutschland sehen die Studienautoren vor allem im Bereich der Steuerpolitik und der Kategorie „Arbeitskosten, Produktivität und Humankapital“. Hinsichtlich der steuerlichen Belastung der Unternehmen sei die Bundesrepublik im Vergleich mit den europäischen und amerikanischen Wettbewerbern „ins Hintertreffen geraten“, heißt es in der Studie. Langfristig sei eine umfassende Steuerreform daher „unerlässlich“.

 

Auch im Hinblick auf die Qualität der Infrastruktur – sowohl der Verkehrswege als auch der Informationstechnologie – sei Deutschland gegenüber den Wettbewerbern „deutlich abgeschlagen“. Hohe Strompreise sorgen dafür, dass Deutschland auch im Bereich Energie unterhalb des Durchschnitts liegt.

 

Der Länderindex ist 2006 das erste Mal erhoben worden. Seitdem fiel Deutschland um fünf Plätze zurück. Schlechter hat sich kein anderer untersuchter Staat entwickelt.

Wie die erläuternden Grafiken der Zeitschrift Handelsblatt zum Länderindex aufzeigt, ist Großbritannien das unternehmerfreundlichste Land in Europa, während Deutschland immer mehr zu den Schlusslichtern abrutscht.

Deutschland ist Weltmeister - nicht im Fußball oder der Zukunftsgestaltung, sondern bei der Steuerlast

Während fast alle Länder in den letzten Jahren die Unternehmenssteuern deutlich abgesenkt haben und dies weiter tun, sind diese in Deutschland gleichgeblieben.

 

Dadurch befindet sich Deutschland mit einer durchschnittlichen Steuerbelastung von ca. 30% auf dem weltweit zweithöchsten Platz der Steuersätze bei der Unternehmensbesteuerung weltweit, nur in Japan sind die Steuersätze noch etwas höher. Ferner wurden mit den letzten Steuerreformen immer mehr Möglichkeiten von steuersenkenden oder steuermindernden Maßnahmen sowie Abschreibungen, Rückstellungsmöglichkeiten usw. abgeschafft.

Deutschland reguliert und kontrolliert seinen Klein- und Mittelstand zu Tode

Deutschland hat sich in den letzten Jahren immer mehr zum Verwaltungskoloss entwickelt. Mit immer mehr Vorschriften und Regularien werden immer mehr klein- und mittelständische Unternehmen gezwungen, ähnlich kostenintensive Vorschriften wie Großkonzerne einzuhalten, ohne dafür jedoch die entsprechenden Ressourcen zu haben.

Dies erzwingt immer höhere Kosten und immer geringere Margen.

Die deutsche Gesetzgebung ist für den Klein- und Mittelstand alles andere als unternehmensfreundlich

In den angelsächsischen Ländern gilt der Spruch: "Wer mit einer Unternehmensidee scheitert, bekommt eine neue Chance. Scheitern gehört zum Erfolg". Und so findet man viele extrem erfolgreiche Unternehmer, die mit mehreren Geschäftsideen zunächst einmal scheiterten.

 

Dies ist in Deutschland völlig anders. Wer mit einer Geschäftsidee scheitert, wird bestraft und hat es nicht verdient, eine weitere Chance zu bekommen.

Die Bereitschaft zum Unternehmerrisiko nimmt seit Jahren in Deutschland stetig ab

Speziell Personen mit der Ambition, als Unternehmer Karriere zu machen, sei es mit einem Start-Up, als Freiberufler oder mit neuen Ideen in neuen Technologien und zukunftsweisenden Projekten finden in Deutschland keinen guten Nährboden, ihre Idee erfolgreich wachsen zu lassen.

 

Deutschland belastet mit den nahezu höchsten Steuern und Abgaben weltweit sowie einer immer komplexer werdenden Fülle an Gesetzen, Vorschriften und Einschränkungen, die unternehmerisch Tätigen das Leben immer schwerer machen. Die deutschen Gesetze sind dafür ausgelegt, im Falle des Erfolgs massiv zu kassieren und im Falle des Scheiterns hart zu bestrafen.

 

Damit kann das unternehmerische Risiko in Deutschland schnell zu einem lebenslangen existentiellen Risiko werden:

Das deutsche Arbeitsrecht ist alles andere als unternehmensfreundlich. Wer es schafft, finanzielle Erfolge zu erzielen, findet sich schnell auf der schwarzen Liste eines potenziellen Steuerhinterziehers wieder und muss tagtäglich mit umfassenden Betriebsprüfungen rechnen, um auch das letzte aus ihm herauszuquetschen. Man hat oft in der Tat den Eindruck, in Deutschland wäre unternehmerischer Erfolg etwas Anrüchiges, während unternehmerisches Herumdümpeln von der Hand in den Mund dem Credo dem allgemein erwünschten "Unauffälligen" entspricht.

 

Viele Länder denken hier völlig anders. Speziell in angelsächsischen Ländern und auch in Asien ist der Grundsatz eines freien Unternehmertums heilig, der Staat versteht sich meist als Servicepartner, nicht wie es oft in Deutschland der Fall ist, als Überwachungs- und Einschränkungsorgan.

 

Wie die aktuellen Zahlen zeigen, wurden 2018 knapp 122 700 Betriebe gegründet, deren Rechtsform und Beschäftigtenzahl auf eine größere wirtschaftliche Bedeutung schließen lassen. Wie das Statistische Bundesamt (Destatis) nach Auswertung der Gewerbemeldungen weiter mitteilt, waren das 2,2 % weniger als im Jahr 2017 und der niedrigste Wert seit fast 20 Jahren. 

 

Die Zahl neu gegründeter Kleinunternehmen lag im Jahr 2018 mit fast 169 100 um 3,4 % unter dem Vorjahreswert. Dagegen stieg die Zahl der Gründungen von Nebenerwerbsbetrieben leicht um 0,6 % auf rund 250 700. 

Insgesamt verringerte sich die Gesamtzahl der Gewerbeanmeldungen im Jahr 2018 auf rund 668 700, das waren 1,2 % weniger als im Jahr 2017. Gewerbeanmeldungen müssen nicht nur bei Neugründung eines Gewerbebetriebes erfolgen, sondern auch bei Betriebsübernahme (zum Beispiel Kauf oder Gesellschaftereintritt), Umwandlung (zum Beispiel Verschmelzung oder Ausgliederung) oder Zuzug aus einem anderen Meldebezirk. 

 

Daneben gaben rund 102 600 Betriebe mit größerer wirtschaftlicher Bedeutung gaben im Jahr 2018 ihr Gewerbe vollständig auf. Das waren 1,7 % weniger als im Jahr 2017. Die Zahl der im Jahr 2018 aufgegebenen Kleinunternehmen sank um 2,6 % auf knapp 217 400. Gestiegen ist dagegen die Zahl der Aufgaben von Nebenerwerbsbetrieben, und zwar um 4,2 % auf rund 192 800. 

Wie die Grafik der Zeitschrift Handelsblatt aufzeigt, sind immer weniger in Deutschland bereit, ein Unternehmen zu gründen. Von den gegründeten Unternehmen sind noch dazu mehr als die Hälfte Nebenerwerbsgründungen.

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