Vergleich Steuerbelastungen und Abgaben für Privatpersonen im internationalen Vergleich (OECD Studie 2017)

Ledige Angestellte in Deutschland verlieren fast 50 Prozent ihres Einkommens durch Steuern und Sozialabgaben. Unter OECD-Ländern ist der Wert nur in Belgien höher.

Ledige Angestellte verlieren fast 50 Prozent ihres Einkommens durch Steuern und Sozialabgaben, zeigt eine Studie aus dem Jahr 2017. Unter OECD-Ländern ist der Wert nur in Belgien höher.

Deutsche Arbeitnehmer und Arbeitgeber müssen überdurchschnittlich hohe Steuern und Abgaben zahlen. Einer Studie der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) zufolge musste ein lediger Angestellter ohne Kind im vergangenen Jahr im Schnitt fast die Hälfte seines Einkommens an den Staat abgeben. Dieser Wert ist unter den anderen 34 OECD-Ländern nur in Belgien höher.

Studie Institut der deutschen Wirtschaft 2017

Einer Studie des arbeitgebernahen Instituts der deutschen Wirtschaft zufolge zahlt jeder elfte Arbeitnehmer in Deutschland den Spitzensteuersatz von 42 Prozent. Das seien 4,2 Millionen Erwerbstätige, heißt es in der Auswertung.

Demnach kommen diese zehn Prozent der Erwerbstätigen mit den höchsten Einkommen für 48,2 Prozent des gesamten Einkommensteueraufkommens auf. Rechnet man die 30 Prozent der Topverdiener zusammen, sind diese für 79 Prozent des Aufkommens verantwortlich. Weil sie zu wenig verdienen, zahlen 2,7 Millionen Erwerbstätige der Studie zufolge überhaupt keine Steuern.

 

Die Studie zeigt auch, wie stark Gering- und Durchschnittsverdiener durch Steuern und Sozialabgaben belastet werden. So zahle zum Beispiel ein Single mit einem Bruttogehalt von 1.940 Euro im Monat 46 Prozent Steuern und Abgaben. Ein alleinstehender Durchschnittsverdiener mit 3.250 Euro monatlich müsse 51 Prozent abführen, also mehr als jeden zweiten Euro.

Studie OECD vom April 2017

Bei der Belastung der Arbeitseinkommen durch Steuern und Sozialabgaben gehört Deutschland im OECD-Vergleich weiterhin zu den Spitzenreitern. Einzig in Belgien ist die Steuer- und Abgabenlast für einen alleinstehenden Durchschnittsverdiener noch höher. Dies geht aus der jüngsten Ausgabe der OECD-Studie „Taxing Wages“ hervor, die im April 2017 veröffentlicht wurde.

Auch bei allen anderen untersuchten Haushaltstypen liegt die Belastung in Deutschland über dem OECD-Durchschnitt. Dies liegt vor allem an den vergleichsweise hohen Sozialabgaben, die von Arbeitnehmern und Arbeitgebern getragen werden. Im OECD-Schnitt lag die Steuer- und Abgabenlast (Anteil von Steuern sowie Sozialabgaben der Arbeitgeber und Arbeitnehmer an den gesamten Arbeitskosten) für alleinstehende Durchschnittsverdiener 2016 bei 36 Prozent, in Deutschland bei 49,4 Prozent.

„Die Belastung der Arbeitseinkommen durch Steuern und Sozialabgaben ist im OECD-Raum erneut leicht gesunken. Allerdings ist dieser Trend vor allem das Resultat von Reformanstrengungen in einigen wenigen Ländern“, sagte Pascal Saint-Amans, OECD-Direktor für Steuerpolitik und Steuerverwaltung. „Steuersenkungen können vor allem im Bereich der kleinen und mittleren Einkommen Arbeitsanreize schaffen und sind so ein wichtiger Motor für ein inklusives Wachstum.“

In fast allen OECD-Ländern werden Familien mit Kindern steuerlich gefördert. In Deutschland ist diese Förderung, bedingt durch Ehegattensplitting und beitragsfreie Mitversicherung von nicht-erwerbstätigen Ehepartnern, gerade bei Familien mit nur einem Erwerbstätigen besonders ausgeprägt.

Studie OECD vom April 2017 im graphischen Überblick

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