Tipps und Erfahrungen aus der Praxis zum Thema Umschreibung / Wiedererteilung / Neuerwerb des Führerscheins in England

Tipps und persönliche Erfahrungen im Umgang mit DVLA, Probleme und Vorgehensweise bei Ablehnung von Wiedererteilungen, Interpretation von englischer Behördenpost und erfolgreiche Kommunikation mit englischen Behörden, Bedeutung des KBA Auszuges "The person above is not holder of a valid German driving licence".

Hier finden Sie eine Reihe von persönlichen Erfahrungen und Tipps rund um das Thema Wiedererteilung / Umschreibung / Neuerwerb eines Führerscheines speziell in England. Obwohl wir und primär auf die Beantragung in England konzentriert haben, sind die meisten dieser Punkte auch auf jedes andere EU Land übertragbar.

+ Was passiert, wenn ein Original - Antrag bei der DVLA falsch ausgefüllt wurde?

Ein falsch ausgefüllter Antrag ist keine Katastrophe und kann natürlich nachträglich geheilt werden. Dies kann dann allerdings zu Verzögerungen bei der Antragsbearbeitung um mehrere Wochen führen. Wenn es Unklarheiten mit einem Antrag gibt, teilt die Behörde dies schriftlich mit und fragt nach. Eine Ablehnung des Antrags, z.B. nur weil ein Kreuz vergessen wurde, ist nicht möglich, sondern stets heilbar, dauert aber eben dann einige Zeit.

+ Wie entscheidet die englische Behörde DVLA?

Die Behörde entscheidet selten beim ersten Mal, und wenn auch nur dann, wenn es keinerlei Rückfragen gibt und mit der Antragstellung keinerlei Unklarheiten auftreten. Dennoch sind britische Behörden dafür bekannt, dass diese kooperativ und relativ kundenfreundlich, wenn auch manchmal umständlich sind. Man wird dort allerdings als Kunde ernstgenommen und nicht, wie dies oftmals in Deutschland der Fall ist, als "Störfaktor" betrachtet. Gibt es seitens der Behörde Rückfragen, sind diese zeitnah zu beantworten, sonst lehnt die DVLA ab.

+ Werbe Floskeln auf Internetseiten, die schlicht und einfach unwahr sind und denen Sie nicht trauen sollten:

Trauen Sie niemals Floskeln wie „in England nehmen es die Behörden nicht so genau mit dem Wohnsitz“ oder „in England ist alles kein Problem“ oder „in England können Sie einen Führerschein kaufen“ oder „Postadresse in England genügt, prüft eh keiner“ oder „im Post Office wird über Ihren Führerschein entschieden“ oder „mit der Abgabe Ihres Antrags ist alles erledigt und der neue Führerschein flattert kurze Zeit später ins Haus“.

England ist keine Bananenrepublik!

+ Beachtung der Wohnsitzerfordernisse in England bei der Antragstellung – wichtig oder nicht?

Das ist sogar ein ganz entscheidender Punkt. Wenn Sie diesen zu locker angehen nach dem Motto „wird schon gutgehen“ setzen Sie sich einem großen Risiko aus. Gerade dieser Punkt sollte sehr strategisch geplant werden, damit er Ihnen langfristig nicht auf die Füße fällt. Gerade bei diesem Punkt trennt sich bei vielen Anbietern schnell die Spreu vom Weizen.

+ Kann man in England einen Führerschein kaufen?

Nein, definitiv nicht.

+ Gibt es eine Garantie für eine Wiedererteilung Ihres Führerscheins in England?

Nein, die gibt es leider nicht. Eine Wiedererteilung ist ein komplexes behördliches Verfahren, die Entscheidung, ob eine Wiedererteilung zum Erfolg führt oder nicht, trifft hierbei stets die zuständige Führerscheinbehörde. Selbstverständlich lehnt die Führerscheinbehörde DVLA Anträge auf Wiedererteilung auch ab, wenn sie Zweifel hat, dass eine ordnungsgemässe Wiedererteilung möglich wäre. Es bleibt dann nur die Möglichkeit des Neuerwerbs.

+ Kann man in England einen Führerschein trotzdem erhalten, wenn dieser endgültig entzogen wurde?

Ja, aber nur durch Neuerwerb, nicht durch Wiedererteilung. Man kann dann jedoch die MPU Auflage in Deutschland umgehen, die man sonst auch beim Neuerwerb in Deutschland zu erfüllen hätte und so in der Tat wieder in den Genuss der Mobilität kommen.

+ Werden die Angaben des Antragstellers von der DVLA  geprüft?

Ja, sogar genau. Jede Angabe des Antragstellers wird abgeglichen und auch komplett beim KBA nochmals nachgefragt bzw. abgeglichen.

+ Muss man in England einreisen, damit man einen Führerschein erhalten kann?

Ja, definitiv. Denn Sie müssen gesetzlich, wie in jedem anderen Land der EU auch, die sogenannten Wohnsitzerfordernisse einhalten. Wenn Sie noch nie in England waren, werden Sie definitiv ein Problem mit der Glaubwürdigkeit haben, wenn man Sie fragen sollte, wie Sie dort wohnen wollen, wenn Sie noch nie da waren.

+ Genügt eine günstige Postadresse / Postresidenz / Briefkastenadresse als langfristige Meldeadresse?

Nein, keinesfalls. Wir raten strikt davon ab, da Adressen von der Behörde geprüft werden und die Adresse als sog. Wohnsitzadresse in Ihrem Führerschein abgedruckt wird. Wenn sich herausstellen sollte, dass Ihre Adresse ein Briefkasten, ein Büro, eine Garage oder eine völlig überbuchte Adresse war, haben Sie definitiv ein Problem und das Thema England Führerschein hat sich für Sie ein für alle Mal erledigt. Bedenken Sie auch, dass Ihre Adresse in England im Führerschein steht und Sie zur Aktualisierung verpflichtet sind, da der Führerschein in England oft auch die gleiche Funktion wie der Personalausweis in Deutschland erfüllt.

+ Überprüft die englische Behörde die Meldeadresse?

Ja, das tut sie definitiv. Manchmal, wenn berechtigte Zweifel aufkommen, sogar akribisch. Wir warnen hierbei besonders vor dem Fall, der immer wieder mal passiert: Wenn Mandanten bereits früher einen "Führerschein Versuch" unternommen haben, der bei der englischen Behörde "sauer aufgestossen" ist und versuchen, dies nun ein zweites, drittes oder sogar viertes Mal über uns zu lösen, ohne uns davon in Kenntnis zu setzen, dann verlangt die Behörde einen sogenannten proof of address, also eine aktuelle Energieabrechnung, Gemeinde Steuerrechnung, Bankauszug oder dergleichen, um die Glaubhaftigkeit zu untermauern.

+ Gibt es Probleme mit einem englischen Führerschein in Deutschland?

Nein, definitiv nicht, wenn dieser ordnungsgemäss unter Beachtung der innerhalb der EU gesetzlich geregelten Bedingungen (Wiedererteilung nicht während einer gerichtlich auferlegten Fahrverbotssperre, Einhaltung der Wohnsitzerfordernisse) ausgestellt wurde. Dann wird dieser vollumfänglich anerkannt und wird Ihre Mobilität sicherstellen. Dies wird sich auch nach dem Brexit nicht ändern, da es mit Sicherheit zu gegenseitigen Anerkennungen kommen wird.

+ Kann ein englischer Führerschein in England entzogen werden?

Selbstverständlich. Die englische Behoerde DVLA entzieht (revoked) Führerscheine jederzeit auch im Nachhinein, wenn sie beispielsweise erfährt, dass als Wohnadresse eine Scheinadresse oder reine Briefkastenadresse verwendet wurde oder Angaben im Antrag unrichtig waren.

+ Wie "gefährlich" bzw. "sicher" ist das eigentlich grundsätzlich mit einem EU Führerschein?

Der EU Führerschein aus einem anderen EU Land ist und bleibt für die meisten mit Führerschein Entzug in Deutschland die einzige Alternative, die Mobilität und damit auch die Sicherung der Existenz und des Einkommens wieder zu gewährleisten. Für viele, die nicht im Großstadt Bereich und damit im Zentrum von öffentlichen Verkehrsmitteln leben, ist das Fahren eines Autos ein existentielles Grundbedürfnis und sichert den Weg zum Arbeitsplatz, zum Arzt oder eben auch um die Oma zu besuchen, die sonst einsam und alleine ihren Lebensabend verbringen müsste.

Und es ist in der Tat ein gangbarer Weg, der auch völlig legitim beschritten werden kann. Allerdings eben nicht so leichtfertig, wie so mancher dies vorstellt. Sonst sind Probleme vorprogrammiert und dem deutschen Führerscheinbeamten werden entsprechende „Angriffs Flächen“ geboten, die ihn zur "Höchstform" auflaufen lassen könnten.

+ Was halten wir von Führerschein Angeboten aus Polen, Tschechien und Ungarn?

Grundsätzlich wäre auch ein Führerschein aus Polen, Ungarn und Tschechien kein Problem, wäre nicht das leidige Thema, dass aufgrund des enormen Führerscheintourismus der vergangenen 10 Jahre speziell nach Polen und Tschechien diese Führerscheine zwischenzeitlich sehr kritisch seitens der deutschen Behörden betrachtet werden.

Deutsche Führerscheinstellen arbeiten mittlerweile eng mit den tschechischen, ungarischen und polnischen Behörden zusammen, um herauszufinden, wer wirklich 185 Tage im Ausland gewohnt hat und wer dort eine vernünftige Wohnsitzadresse hat, die auch einer Überprüfung standhalten kann, oder aber wer lediglich versucht, durch Vortäuschung falscher Tatsachen die deutsche MPU zu umgehen.

Es geht eigentlich immer wieder das gleiche Thema, was Führerschein Bewerber falsch machen  – wer mit den Wohnsitzerfordernissen schludert, setzt aufs Spiel, sich wegen Fahren ohne Fahrerlaubnis strafbar zu machen.

+ Was ist dran an der Aussage “England hat kein Meldegesetz, dort ist alles easy going”?

Dies ist mit Verlaub gesagt Bauernfängerei und das bewusste „Herunterspielen“ von wesentlichen Faktoren von Vermittlern, die zumeist nicht in England sitzen oder aber von solchen, die Kunden meist dann mit zumeist fadenscheinigen Ausreden im Regen stehen lassen, wenn es Probleme gibt.

Selbstverständlich hat England kein Meldegesetz entsprechend dem deutschen BMG (Bundesmeldegesetz). Dennoch gibt es auch ohne dieses Gesetz viele andere Möglichkeiten zu prüfen, wie real jemand in England ist oder nicht.

Klassische Prüfungsmöglichkeiten sind eine Überprüfungsanfrage bei der sog. „Border Control“, die stets dokumentiert, wann jemand eingereist ist (England ist nicht im Schengener Abkommen!). Ferner dienen Mietverträge, sogenannte „proofs of address“, wie z.B. Strom- oder Gasrechnungen, Eintragungen in der „electorial roll“, also einem öffentlichen Wählerverzeichnis und natürlich die Vorlage einer „National Insurance Number“ also einer englischen Sozialversicherungsnummer oder auch ein englisches Bankkonto. Gehen Sie davon aus, dass die Behörde nachfragt, wenn Zweifel an der Glaubwürdigkeit Ihrer Angaben aufkommen. Darum empfehlen wir unseren Klienten immer, sich dem Thema der Wiedererteilung einer Fahrerlaubnis in England auch persönlich wenigstens für eine gewisse Zeit zu widmen.

Denn die dadurch gewonnene Wiedererlangung Ihrer Mobilität mit allen damit verbundenen Vorteilen und neuen Chancen lohnt diesen Aufwand allemal!

+ Wenn ein Vermittler oder Berater Ihrer Wahl nicht direkt in England sitzt: Bringt das was?

Unserer Erfahrung nach sind dann die Probleme meist vorprogrammiert. Stellen Sie sich einfach vor, Sie suchen qualifizierten und professionellen Rat in Deutschland und sollen diesen von Jemandem erhalten, der z.B. in Irland sitzt und von dort aus Ihre Angelegenheiten in Deutschland steuern soll. Das wird in der Regel problematisch. Genauso verhält es sich, wenn jemand für Sie kompetente Leistungen in England erbringt, jedoch in einem ganz anderen Land sitzt. Wir empfehlen deshalb immer, sich für einen lokal ansässigen Partner zu entscheiden, der schnell und kompetent reagieren kann.

+ Kann man einen Führerschein in England auch ohne einen Berater bzw. Vermittler beantragen?

Selbstverständlich geht das! Jeder Engländer und auch EU Bürger, der beispielsweise hier in England lebt, macht dies stets in Eigenregie!

+ Welche Bedeutung haben spezielle Vermerke wie zum Beispiel "The person above is not holder of a valid German driving licence" auf dem KBA Auszug des deutschen KBA bei der Beantragung der Wiedererteilung?

Bei der Beantragung einer Wiedererteilung im Ausland fordert die ausländische Behörde (in England ist dies die DVLA) in der Regel neben dem Antrag auch die Vorlage eines KBA Auszugs bzw. ZFER Auszuges des deutschen Kraftfahrtbundesamtes (KBA), um die im Antrag beantragten Fahrerlaubnisklassen zu prüfen. Oft erhält man bei der Beantragung in Flensburg dann einen Auszug mit verschiedenen Hinweisen, die erhebliche Bedeutung auf die Beantragung im Ausland haben können. Wir bieten speziell zu diesem Thema unter der Rubrik "Hilfestellung" Sonderberatungen an.

+ Erfolgreiche und überzeugende Kommunikation mit der DVLA im laufenden Verfahren - wie?

Bei der Antragstellung aber auch nach Erteilung eines Führerscheins erfolgt in der Regel manchmal ein recht umfangreicher Schriftverkehr mit der englischen Führerscheinbehörde DVLA, so wie man es auch von deutschen Behörden kennt. Es geht dann oft darum, zum Beispiel weitere Unterlagen beizubringen oder auch besondere Firsten zu beachten (z.B. bei der Adressummeldung, wenn sich diese geändert hat). Wesentlich ist zumeist so wie in Deutschland, dass auf diese Briefe fristgerecht reagiert wird. Leider sind diese Briefe oft in einem typischen "Amtsenglisch" gehalten und führen manchmal auch zu Fehlinterpretationen oder Unverständnis.

Speziell zu diesem Thema bieten wir unter der Rubrik "Hilfestellung" Sonderberatungen an.

Seriöse, individuelle Hilfestellung aus der Praxis zum Thema Führerschein Wiedererteilung / Neuerwerb in England

Wenn Sie sich fundiert informieren möchten, ob die Wiedererteilung Ihres deutschen Führerscheines in England (und auch in anderen EU Ländern) möglich ist, ob Sie damit eine MPU Auflage umgehen können oder ob es mehr Sinn macht, in England den Führerschein neu zu erwerben, bieten wir Ihnen eine individuelle Intensivberatung aus erster Hand an.

Wir sehen uns hierbei Ihre Unterlagen und Vorgeschichte an und interpretieren Ihre Unterlagen des Kraftfahrtbundesamtes KBA oder der Führerscheinbehörde. Wir kennen die rechtlichen Anforderungen in Großbritannien und seitens der englischen Führerscheinbehörde DVLA und können Ihnen dann seriöse Empfehlungen aussprechen.

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