Chancen und Risiken eines Führerschein Erwerbs im Ausland durch Wiedererteilung, Umschreibung oder Neuerwerb

Problematiken bei der Wiedererteilung der entzogenen Fahrerlaubnis im Ausland, Erschwerte Situation bei der Beantragung von Führerscheinen in Polen, Tschechien und Ungarn.

Die erfolgreiche Wiedererteilung eines in Deutschland entzogenen oder vor dem Entzug stehenden Führerscheins kann ein guter Weg sein, den Hürden einer "Medizinisch Psychologischen Untersuchung", kurz MPU genannt, erfolgreich zu entkommen. Es sollte Ihnen aber stets auch bewusst sein, dass der Weg, eine Wiedererteilung des Führerscheines im Ausland zu versuchen, auch schief gehen kann. Man kann im Ausland weder einen legalen, gültigen Führerschein "einfach so kaufen", noch kann man seine Vorgeschichte, die zum Entzug in Deutschland führte, einfach ausser Acht lassen. Dafür sind die internationalen Führerscheinbehörden zwischenzeitlich zu gut vernetzt und arbeiten hier auch recht eng zusammen.

Führerschein Erwerb im Ausland - ja, aber nur bei unangreifbaren Fakten!

Einer der wichtigsten Grundsätze muss stets sein, dass der Führerschein, den Sie im Ausland durch Wiedererteilung, Umschreibung oder einen Neuerwerb planen zu erwerben oder bereits erworben haben, vollumfänglich gültig ist und auch im Falle eines Unfalles jeglicher Überprüfung standhält.

Es kann also nur davor gewarnt werden, einen Führerschein zu nutzen, der beispielsweise auf der Grundlage von falschen Tatsachen oder dem Verschweigen von wesentlichen Fakten erworben wurde, bei deren Kenntnis die jeweilige Behörde im Ausland den Führerschein hätte nicht ausstellen können oder dürfen.

Ferner muss Ihnen stets klar sein, dass ein Führerschein, der auf der Grundlage eines bereits entzogenen Führerscheins im Ausland erteilt wurde, ohne dass die ausländische Behörde davon Kenntnis hatte, ebenfalls ungültig ist und in keinem Fall im Strassenverkehr benutzt werden sollte.

Denn auch hier gilt der Grundsatz, dass nichts wiedererteilt werden kann oder seine Gültigkeit wiedererhält, was im Vorfeld bereits entzogen und somit ungültig war.

Speziell bei Führerscheinen aus Osteuropa wurde bis vor einigen Jahren als Wohnsitz oft ein deutscher Wohnsitz abgedruckt. Diese Führerscheine wurden im Nachhinein allesamt für ungültig erklärt, da die Zuständigkeit der ausländischen Behörde bei einem Wohnsitz des Betroffenen in Deutschland nicht gegeben war. Ebenfalls wurden speziell in diesen Ländern oft Führerscheine ausgestellt, die auf der Grundlage eines bereits ungültigen deutschen Führerscheins basierten. Auch diese Führerscheine sind allesamt ungültig.

Deshalb sollte auch das Thema der Wohnsitzerfordernisse höchste Priorität für den Betroffenen haben. Denn speziell hier finden sich oftmals die meisten Angriffspunkte im Falle des Falles, speziell wenn es sich bei der "Wohnsitzangabe" um eine reine Scheinadresse oder Postkastenadresse handelte.

Warum speziell die Wiedererteilung eines Führerscheins im Ausland oft Probleme verbirgt

Eine Wiedererteilung ist leider ein völlig anderer rechtlicher Akt als beispielsweise ein Neuerwerb oder die Umschreibung eines gültigen Führerscheins.

Einer Wiedererteilung ist stets eine Vorgeschichte vorangegangen, also meist ein Straftatbestand wie z.B. Alkohol im Straßenverkehr, ein polizeilicher Entzug, eine gerichtliche Verhandlung, in der Regel eine staatsanwaltschaftliche Ermittlung und manchmal sogar eine richterliche Verurteilung.

Darüberhinaus kann die austellende Führerscheinbehörde ein gewichtiges Wort mitreden. Denn auch sie kann, neben einer richterlichen Verurteilung und Abgeltung der eigentlichen Strafe, darüber bestimmen, ob sie den Betroffenen nach Beendigung der Strafe (meist ein Fahrverbot, Geldstrafe usw.) als "geeignet" hält, mit seinen Fahrerlaubnisklassen wieder am Strassenverkehr teilzunehmen. So kann eine Behörde beispielsweise anordnen, dass die durch sie erteilten Klassen nicht mehr existent sind, sie kann eine sog. MPU Auflage anordnen usw. 

Eine Wiedererteilung, die zu einem LEGALEN Führerschein führen soll, ist insofern ein recht kompliziertes, rechtliches komplexes Verfahren und niemals "easy going", wie sich so mancher das vorstellt. Da es sich noch dazu um ein behördliches Verfahren handelt, an dem in der Regel zwei unterschiedliche Länder mit unterschiedlichen Rechtssystemen (Deutschland, England) und unterschiedlichen Behörden (KBA und DVLA) in noch dazu unterschiedlichen Sprachen (Deutsch/Englisch) beteiligt sind, können stets Probleme auftreten.

Darüberhinaus wird das Thema "Einhaltung der Wohnsitzerfordernisse" als einer der fundamentalen Punkte im EU Recht bezüglich der Anerkennung ausländischer Führerscheine viel zu oft unterschätzt und auf die leichte Schulter genommen. Dabei macht gerade dieser Punkt einen Führerschein aus dem Ausland "sicher" oder eben "angreifbar bzw. ungültig". Denn er manifestiert die Zuständigkeit der ausländischen Führerscheinbehörde bei der Wiedererteilung oder Erteilung einer Fahrerlaubnis. Er sollte also keinesfalls auf die leichte Schulter genommen werden.

Ein lapidar vorgespielter Wohnsitz im Ausland ist übrigens zu 99% der Hauptgrund, warum beispielsweise Führerscheine aus Osteuropa (z.B. Polen, Ungarn und Tschechien) oft seitens der deutschen Polizei und Behörden angezweifelt werden:

Eine deutsche Behörde lässt sich in der Regel nicht mehr so einfach überzeugen, wenn der Betroffene dann beispielsweise angibt, dass er nun plötzlich seinen festen Wohnsitz in Ungarn haben soll, während beipielsweise seine feste Arbeitsstelle weiterhin von Montag bis Freitag in Deutschland ist und die Frau und die Kinder dort wohnen. Dass das nicht plausibel funktionieren kann und zu Rückfragen führt, sollte eigentlich klar sein.

Bitte bedenken Sie stets - die Entscheidungen treffen immer die Behörden, sonst keiner!

Die Entscheidung, ob eine Wiedererteilung Ihres Führerscheins im Ausland erfolgreich umgesetzt wird oder nicht, ist ein behördlicher Akt, der ausschliesslich bei der jeweiligen ausländischen Führerscheinbehörde (in England ist das die DVLA) liegt. Bitte bedenken Sie auch, dass nicht ein Vermittler darüber entscheidet, ob Ihr Vorhaben erfolgsverprechend ist oder nicht

Auch wenn manche Vermittler „Wunder versprechen" – diese Wunder gibt es leider nicht.

Ob eine Wiedererteilung Ihres in Deutschland entzogenen oder zum Entzug drohenden Führerscheines in England (auch in jedem anderen EU Land, in dem EU Recht gilt) wiedererteilt werden kann, hängt in der Tat im Wesentlichen auch von Ihrer Vorgeschichte und der Meldung des Kraftfahrtbundesamtes an die jeweilige Führerscheinbehörde (in Grossbritannien ist das die DVLA) ab. Wenn es hierbei keine Probleme gibt, steht einer schnellen und erfolgreichen Wiedererteilung bzw. Umschreibung nichts im Wege.

Teilt die Behörde allerdings mit, dass Ihr Führerschein endgültig entzogen wurde und Ihre Fahrerlaubnisklassen somit final erloschen sind, geht die englische Behörde grundsätzlich auch davon aus, dass dann auch eine Wiedererteilung bzw. Umschreibung nicht mehr möglich ist.   

In diesem Fall stehen Ihnen dann jedoch verschiedene Möglichkeiten des Einspruchs und auch andere offizielle Wege zur Auswahl, die englische Führerscheinbehörde DVLA vom Gegenteil zu überzeugen. Es sollte Ihnen hier jedoch bewusst sein, dass dies nur durch die Aufnahme einer recht intensiven Behördenkommunikation mit der ausstellenden Behörde Ihres "alten" Führerscheins sowie auch mit der Behörde, bei der der neue Führerschein beantragt wurde (in England z.B. die DVLA), erfolgen kann.

Haben Sie Erfolg, erhalten Sie innerhalb weniger Tage einen neuen Führerschein aus England und sind ab sofort mobil. Falls nicht, bleibt Ihnen schlicht und einfach gesagt nur der Weg über den Neuerwerb, oder eben der harte und steinge Weg über die deutsche MPU.

Trotz aller Risiken - die Chancen, dass es doch klappt, sind gar nicht so schlecht

Wer auf seine Fahrerlaubnis und Mobilität wirtschaftlich oder existentiell angewiesen ist, sollte sich stets vor Augen halten, welche Alternativen er eigentlich hat und die Chancen und Risiken hierzu abwägen.

Natürlich kann bei einer Ablehnung seitens der Behörden die Wiedererteilung im Ausland scheitern, was dann natürlich Geld und Zeit gekostet hat, ohne den erhofften Effekt zu bringen. Ebenso kann man, wenn man sich für einen Neuerwerb entschieden hat, immer wieder durch die Prüfungen fallen, bis man dann frustriert aufgibt.

Wenn man es jedoch nicht wenigstens versucht, bleibt einem von vorneherein als einzige Alternative nur der harte und steinige Weg über die Erfüllung der diskreditierenden deutschen MPU Auflage. Hier liegen die Durchfallquoten bei über 90 Prozent und Betroffene haben sehr häufig berichtet, dass es oft jahrelang dauerte und viele Tausende Euros kostete, bis dann entweder die Fahrerlaubnis wieder erteilt wurde oder eben der Betroffene aufgab.

Keine MPU im Ausland

Kein Entzug einer Fahrerlaubnis aus dem Ausland in D

Führerschein aus Polen, Ungarn oder Tschechien als Alternative - leider mehr Probleme als Freude

Nach vielen Jahren Führerschein Tourismus nach Polen, Ungarn und Tschechien sind deutsche Behörden hier zwischenzeitlich ganz besonders sensibilisiert.

Deutsche Führerscheinstellen arbeiten mittlerweile eng mit den tschechischen, ungarischen und polnischen Behörden zusammen, um herauszufinden, wer wirklich 185 Tage im Ausland gewohnt hat und wer dort eine vernünftige Wohnsitzadresse hat, die auch einer Überprüfung standhalten kann oder  wer lediglich versucht, durch Vortäuschung falscher Tatsachen die deutsche MPU zu umgehen.

Es geht eigentlich immer wieder das gleiche Thema, was Führerschein Bewerber falsch machen  – wer mit den Wohnsitzerfordernissen schludert, setzt aufs Spiel, sich wegen Fahren ohne Fahrerlaubnis strafbar zu machen.

So hat zum Beispiel das Verwaltungsgericht Neustadt am 10. September 2014 entschieden, dass eine tschechische Fahrerlaubnis in Deutschland nicht gültig ist, da der Fahrer nach einer Verkehrskontrolle nicht genügend belegen konnte, lange genug im Ausstellerstaat (also Tschechien) einen Wohnsitz begründet zu haben.

Er war von der Polizei kontrolliert worden und zeigte einen tschechischen Führerschein vor. Der zuständige Landkreis stellte daraufhin fest, dass der Fahrer seit 1982 ununterbrochen unter der deutscher Wohnanschrift gemeldet war und insgesamt drei Fahrzeuge auf seinen Namen zugelassen hatte.

 Eine Anfrage an das tschechische Verkehrsministerium ergab, dass der Fahrer dort nicht bekannt sei. Die Führerscheinstelle stellte sodann fest, dass er mit der tschechischen Fahrerlaubnis nicht fahren dürfe. Dies ließ sich der Fahrer nicht bieten und ging vor Gericht, welches jedoch der Behörde Recht gab.

Auch stellte es fest, dass ein Mitgliedstaat von einem anderen europäischen Mitgliedstaat selbstverständlich Informationen über einen ordentlichen Wohnsitz anfordern dürfe. “Mal schnell nach Tschechien oder Polen“, um einen Führerschein zu erwerben, ist also nicht unproblematisch.

Weiter geht ein Urteil des Bundesverwaltungsgerichts vom 13. Februar 2014 - dieses besagt Folgendes: Der Inhaber einer ausländischen Fahrerlaubnis, gegen den nach deren Erteilung in Deutschland wegen Verkehrsstraftat eine isolierte Sperre für die Wiedererteilung der Fahrerlaubnis verhängt wird, darf mit der ausländischen Fahrerlaubnis erst dann wieder fahren, wenn er in Deutschland nachweist, zum Führen von Kraftfahrzeugen geeignet zu sein.

Im oben genannten Urteil  hatte also jemand, der eine zunächst gültige ausländische Fahrerlaubnis besaß, geglaubt, nach Ablauf einer Sperre, die er in Deutschland wegen einer Verkehrsstraftat erhalten hatte, problemlos mit dem ausländischen Führerschein aus Polen oder Tschechien erneut fahren zu dürfen – die Richter erteilten ihm eine Absage, weil ihm nachgewiesen werden konnte, dass er schlicht und einfach nicht in Polen oder Tschechien war und dieses entscheidende Thema zu sehr die leichte Schulter genommen hatte.

Das gleiche Gericht entschied auch, dass eine EU-Fahrerlaubnis bei einem Verstoß gegen die Wohnsitzerfordernisse in Deutschland gar nicht anerkannt werden müsse. Ein ordentlicher Wohnsitz im Ausland setzt mindestens eine Wohndauer von 185 Tagen im Jahr voraus und muss definitiv plausibel dargestellt werden. Die bloße Möglichkeit eines längeren Aufenthalts in einem Mitgliedstaat sei nicht ausreichend.

Seriöse, individuelle Hilfestellung aus der Praxis zum Thema Führerschein Wiedererteilung / Neuerwerb in England

Wenn Sie sich fundiert informieren möchten, ob die Wiedererteilung Ihres deutschen Führerscheines in England (und auch in anderen EU Ländern) möglich ist, ob Sie damit eine MPU Auflage umgehen können oder ob es mehr Sinn macht, in England den Führerschein neu zu erwerben, bieten wir Ihnen eine individuelle Intensivberatung aus erster Hand an.

Wir sehen uns hierbei Ihre Unterlagen und Vorgeschichte an und interpretieren Ihre Unterlagen des Kraftfahrtbundesamtes KBA oder der Führerscheinbehörde. Wir kennen die rechtlichen Anforderungen in Großbritannien und seitens der englischen Führerscheinbehörde DVLA und können Ihnen dann seriöse Empfehlungen aussprechen.

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